Videotanz, Adaption filmischer Verfahren, Hybridkultur und Kombinatorik sind Fachbegriffe in der Welt des digitalen Tanzes, bei TanzMedia wie folgt verwendet:

Was ist Videotanz?

Videotanz ist keine genuine Kunstform, sondern eine intermediale Mischform zwischen Tanz und Film, die Choreographien werden dabei extra für das Video, den Film, geschaffen und beziehen Tänzer wie Kamera gleichermaßen mit ein.

Hybridkultur bedeutet eine künstlerische Zusammenführung von digitalen und analogen Medien und Materialien, so werden physische – digitale Mischräume, die so genannten Hybriden, geschaffen.

Die Einbindung der Medien hat eine Auflösung der "Guckgastenbühne" zur Folge, der herkömmliche reale Tanzraum wird durch die virtuelle Komponente ergänzt. Der virtuelle Tanzraum ist fiktiv, schafft simulierte Wirklichkeiten, in denen z.B. nicht die Gesetze der Schwerkraft wirken. Es entstehen neue Tanzwirklichkeiten, wenn ein Tänzer an der Decke zu schweben (Deckenkamera) scheint oder mit sich selbst in der Videoprojektion zu tanzen scheint.

Erklärungen von Videotanzexperten, Künstlern und Medienprofis:

Theater als gemeinsam gestalteter performativer Prozess, vermittelt durch zeitlich-synchrone Repräsentationen körperlicher Präsenz“ [Kristin Evert in „DanceLab – Zeitgenössischer Tanz und Neue Technologien“. 2003, S. 245]

Die Stärke des digitalen Tanzes liegt somit darin, durch die kognitiven Fähigkeiten der Tänzer/ Performer einen neuen Wahrnehmungsraum zu entwerfen, dem ein gewandeltes Körperbild zugrunde liegt.“ [Söke Dinkla in "Tanz und Technologie" /2002, S.27.]

Die Kunst der Kombinatorik“ bedeutet das spontane Reagieren des Tänzers, indem er die verschiedenen Parameter des Tanzes kombiniert“ Vertreter des Videotanzes greifen auf diese Kunst zurück: z.b. William Forsythe mit seinen „Real-Time-Choreographies“ und Tanzfilmemacher Wim Vandekeybus in „Roseland“. [Nadja Winterstein, 2009]

Literaturtipps und Quellen:

Rosiny, Claudia (1999): Videotanz- Panorama einer intermedialen Kunstform, Chronosverlag, Zürich

Reimann, Daniela (2006): Ästhetisch-informatische Medienbildung mit  Kindern und Jugendlichen,  2006, S. 88

Videotanztechniken

Die „neuen Medien“ sind auch aus dem Bereich des Tanzes nicht mehr wegzudenken. Anwendungen neuer Technologien im Bereich des Tanzes lassen sich nach Kerstin Evert (DanceLab, 2003) wie folgt unterscheiden:

  1. Als Hilfsmittel im Rahmen von Tanznotation, Rekonstruktion und Dokumentation
  2. Nutzung im Bereich der Tanzpädagogik, tanzwissenschaftlicher Forschung und Bibliographie
  3. Computer innerhalb der Bühnentechnik (Lichtcomputer, Stellwerk), Verwaltung, Werbung, Kartenverkauf
  4. Nutzen vom Computer als probenpraktisches Instrument
  5. Seit dem letzten Jahrzehnt aufführungsorientierter Einsatz von digitaler Technologie im Hinblick auf neue choreographische Darstellungsmöglichkeiten (z.B. Adaption filmischer Verfahren)

Adaption der Videotanztechniken für TanzMedia

Aktive Medienarbeit & Kreativer Tanz

Die vorhandenen technischen Voraussetzungen (digitale Videokameras, non-lineare Schnittsysteme, Beamer, Bühnenscheinwerfer und Projektionsleinwände) von m+b.com und die Technik der Kooperationspartner setzen einen ausreichenden Rahmen zur Adaption filmischer Verfahren für den choreografischen Prozess. Dieser Medieneinsatz steht bei TanzMedia im Focus für eine Verbindung von realen und virtuellen Tanzräumen.

Methodenkoffer TanzMedia:

  1. Bewegte Bildgestaltung - Experimente mit fester Kameraeinstellung
  2. Digidance Perspektive - Experimente mit der Deckenkamera (Topshot) und gekippten Perspektiven
  3. Digidance Projektion - Experimentieren mit Projektion, Videorückkopplung
  4. Digidance "physical cinema" - Experimente mit der bewegten Kamera
  5. TanzMedia interaktiv (Experimentieren mit Live-Processing-Video-Software z.B. Isadora, Resolume)
  6. Trickydance – Bewegter Stopptrick, Experimente mit dem Greenscreen-Verfahren
  7. TanzMedia Handy –  in Entwicklung

Methode "physical cinema"

Die Methode des „physical cinema“ nach dem Konzept von Lutz Gregor (Filmemacher Contact Film Köln) lässt genügend Spielraum für Experimente und Gestaltung eines Tanzfilmes zu: Die besondere Qualität von „physical cinema“ nach Lutz Gregor lässt sich beschreiben wie folgt: Der Reduktion des Körpers durch die Medien und der Imagekultur setzt Gregor die Digitalisierung der Tanzbewegungen durch die ‚dancing camera’ entgegen. Die Aufgabe der Kamera ist es, die Bewegung so einzufangen, dass die Präsenz und Authentizität der Bewegung und des Körper nicht verloren geht. Das hört sich einfach an, doch ist es ein großer Unterschied, ob ein Kameramann die Bewegung durch vorherige Kooperation und in gegenseitiger Absprache mit dem Tänzer filmt oder nicht. Das eingefangene Bild spiegelt nur dann den Augenblick und das Gefühl des Tanzes wieder, wenn visuelle Wahrnehmung und körperliche Aufmerksamkeit eins werden. In der Synchronisation von Blick und Bewegung, der ‚dancing camera’ liegt der Zauber von ‚physical cinema’. Dann wird aus Tanz Kino und aus Kino Tanz.

Methode - Bewegte Bildgestaltung

Ein eindrucksvolles Beispiel ist eine einfache Kameraübung zur getanzten Veranschaulichung von Bildebenen. Lässt man die Teilnehmer die Bildgrenzen vor einer Kamera stellen, ergibt sich eine Trapezform im echten Raum. Im virtuellen Kamerabild erscheint ein Rechteck abgebildet durch die bildbegrenzenden Tänzerkörper. Ein Aha-Erlebnis für viele SchülerInnen

Bei der TanzMedia Methode „Bildebenentanz“ z.B. lernen die Teilnehmer/innen spielerisch, wie sie mit ihren eigenen Körpern ein bewegtes Kamerabild erzeugen können. Zunächst erfahren sie durch tänzerische Übungen, aus welchem Bewegungsrepertoire sie selbst schöpfen können. Dann dürfen sie vor der Kamera ausprobieren, welche Bewegungen auf der gegenüberliegenden Leinwand interessant wirken. Die Selbst- und Fremdwahrnehmung wird dabei geschult und weil im gemeinsamen „Bildebenentanz“ immer auf die Mittänzer zu achten ist, werden ganz spielerisch Achtsamkeit und Konzentration gefördert. Im gemeinsamen Spiel vor der Kamera ist die Verständigung ohne Worte wichtig, das bewegte Miteinander bietet viele lustige Momente, wenn man sich z.B. im Hintergrund hinter einem Gesicht im Vordergrund der Kamera verstecken kann. Kinder mit Aufmerksamkeitsbedürfnis bekommen eine positiv besetzte „Bühne“. Jeder findet seinen Platz und seine Bewegung im Bildraum oder seine Aufgabe innerhalb der Produktion. In einem Projekt werden den Teilnehmer/innen dann strukturierte Gestaltungsaufgaben zu Themen gegeben, die in einer selbständig produzierten Aufführung bzw. Videofilm münden.