Die pädagogische und künstlerische Leitung im Tanzbereich bei TanzMedia liegt in der Hand der Dipl. Tanzpädagogin Nadja Winterstein:  

Was ist kreativer Tanz?

von Nadja Winterstein

„Tanzerziehung schließt sowohl Inhalte der Leibeserziehung als auch der ästhetischen Erziehung ein. Ihr Ausdrucksmedium ist die Bewegung des menschlichen Körpers, die es zu entwickeln und zu differenzieren gilt“.[Barbara Haselbach, Pionierin der Tanzimprovisation]

Kreatives Tanzen kann somit als Antrieb definiert werden, den Bewegungssinn zu aktivieren und eine Selbsterfahrung zu ermöglichen.

In der tanzpädagogischen Arbeit bei TanzMedia geht es mir als Leiterin für kreative Tanzprozesse zunächst darum, dass die Teilnehmer mit Hilfe spezieller Aufgabenstellungen die Selbsterfahrung machen, den eigenen Körper zu erleben. Dies ist jedoch nur ein Schritt zur Vorbereitung auf den darauf folgenden Prozess, nämlich, über das Experimentieren und Improvisieren (zu einer Gestaltung alleine, in der Kleingruppe, in der Gesamtgruppe) zu gelangen. Bei TanzMedia wird kein bestimmter Tanzstil vermittelt, sondern die nötigen Bewegungsqualitäten der Teilnehmer/innen hervor gelockt und angereicht, um im Einsatz mit den Medien diese unmittelbar abrufen zu können.

Welches Tanzpädagogisches Konzept steckt hinter TanzMedia?

TanzMedia bewegt! Tanzmedia bietet eine pädagogische Plattform, in der Tanz kennen gelernt und erlebt wird. Die Freude an der Bewegung wird als Zugang zum ganzheitlichen Lernen und zur Vermittlung von Medienkompetenz nutzbar gemacht. Der Medieneinsatz motiviert und entfacht vorhandenes Bewegungspotenzial der Teilnehmer, das es hervorzuholen und auszubauen gilt. Durch das Verschmelzen von Video und Tanz entsteht ein kreatives, eigenes und neues Konzept, das Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Bewegung bringt und zu einer anderen Art von tänzerischer Wahrnehmung und Bewegung ermutigt.

TanzMedia ersetzt keine basierte kreative Tanzerziehung oder herkömmliche Medienpädagogik, sondern vernetzt die Stärken beider Bereiche. Mit meiner Arbeit möchte ich vor allem an Tanzpädagogen appellieren, Tanz mit Medieneinsatz als eine weitere Facette der Tanzpädagogik anzuerkennen und sich dieser Bereicherung nicht zu verschließen. Meine intensive tanzpädagogischen Auseinandersetzung mit dem Konzept TanzMedia und dessen Wurzeln aus der Kunstform Videotanz, möchte Mut machen tanzpädagogische „Scheuklappen“ abzulegen, um die Stärken des schülerorientierten Videotanzes zu entdecken. Die tanzpädagogische Handlungsmaxime bei TanzMedia festhalten: „Mut machen und Experimentierräume schaffen!“

 

Was ist Kombinatorik?

Die Kunst der Kombinatorik“ bedeutet das spontane Reagieren des Tänzers, indem er die verschiedenen Parameter des Tanzes kombiniert“ Vertreter des Videotanzes greifen auf diese Kunst zurück: z.b. William Forsythe mit seinen „Real-Time-Choreographies“ und Tanzfilmemacher Wim Vandekeybus in „Roseland“. [Nadja Winterstein, 2009]

„Die Tänzer sollen ihre Körper zu Instrumenten des Denkens machen. Und genau dieser Denkprozess vollzieht sich, während wir im Zuschauerraum sitzen, vor unseren Augen. Was wir sehen, sind keine fertigen Produkte, sondern Entscheidungen, Wege, die eingeschlagen werden und die Auswirkungen haben auf die Möglichkeiten der anderen Tänzer. Was wir sehen, ist mithin ein Modell menschlicher Interaktion und ein Modell von demokratischer Kommunikation.“[William Forsythe in "Denken in Bewegung", 2004, S. 59]

Beim Einsatz von kombinatorischen Fähigkeiten in TanzMedia findet auch hier ein Transfer von im realen Tanzraum gemachten Bewegungserfahrungen auf die virtuelle Bühne statt.