Blaudes Geschichten - Osthofen 2015/16

Osthofen/Ludwigshafen, 23.11.2015

Kurzbeschreibung:

In der Wonnegauschule, Schule mit Förderschwerpunkt Lernen in Osthofen, wird von den Kooperationspartnern medien+bildung.com, KZ Gedenkstätte Osthofen und Landesverband Deutscher Sinti und Roma ein zusätzliches Angebot für 12 Jugendliche der Altersgruppe 12 bis 15 Jahre installiert und vor Ort in der KZ-Gedenkstätte Osthofen verwirklicht. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, historische und aktuelle Lebensgeschichten von Vertriebenen zu erfahren und das Erleben von Ausgrenzung in ihre Lebenswelt zu übertragen und auszudrücken. Förderschüler/innen leben täglich mit den Folgen z. B. nicht intakter Familienstrukturen und Diskriminierung, was sie aus unserer Leistungsgesellschaft ausschließt und emp-fänglich für rassistisches Gedankengut macht. Der Einstieg ist die Geschichte der Familie Rajner/Reiner aus Mainz, deren Vater im KZ Osthofen 1933 inhaftiert war und die nach Polen ausgewiesen wurde. Der aktuelle Bezug zu Diskriminierung und Vertreibung wird vom Lan-desverband Deutscher Sinti und Roma hergestellt. Die Schüler/innen lernen die Einsatzmöglichkeit von Medien, sich mobil zu informieren und mit erlebnispädagogischen Methoden wie Videotanz ihren persönlichen Bezug und ihre innerliche Berührung in digitale Bilder umzusetzen. Die Teilnehmenden kreieren in Teamarbeit Tanzfilme nach dem Konzept der Pro-jektreihe „BLAUDES – Tanzen und Filmen gegen Rassismus und das Vergessen“. Ganzheitliche Methoden sind besonders für junge Menschen mit Lernbehinderung ein adäquater Zugang zur Kultur und Prävention zugleich. Alle Jugendliche erhalten eine DVD mit den produzierten Filmen. Außerdem werden die Filme bei Präsentationsveranstaltungen den Eltern und Interessierten gezeigt. Entstehende Methoden und Konzepte werden in kleineren Folgeprojekten von allen Partnern selbstständig weitergeführt.

Kooperationspartner:
Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz
KZ-Gedenkstätte Osthofen
Wonnegauschule Osthofen
medien+bildung.com

Projektdauer/-umfang:
5 Projekttage verteilt auf 2 Wochen (1 Vormittag zum Einstieg in der Schule / Je 1 Erkundungs- u. 1 Reflexionstag, 2 Workshoptage in der Gedenkstätte). Im Schuljahr 1 Exkursion + verschiedene Präsentationen im adäquaten Kontext, wie Schulversammlung, Gedenktage)

Finanzierung

  • Mainz 05 hilft
  • Globus Stiftung
  • Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur
  • Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen
  • medien+bildung.com gGmbH
  • Landesverband Deutscher Sinti und Roma RLP
  • Gedenkstätte KZ Osthofen und deren Förderverein
  • Wonnegauschule Osthofen und deren Förderverein

Bericht vom Projektverlauf

Blaudes-Geschichten – Jugendliche erzählen in bewegten Kurzfilmen ihre Sichtweisen zum Thema Ausgrenzung früher / heute.

Das Kooperationsprojekt „Blaudes Geschichten“ bewegt die Klasse 9 der Wonnegauschule Osthofen zu kreativen Höchstleistungen, vermittelt Medienkompetenz und gibt den Jugendlichen prägende Eindrücke mit auf den Weg. Das neue Produkt aus der Projektreihe „Blaudes – Tanzen + Filmen gegen Rassismus“ mit dem ganzheitlichen Medienkonzept TanzMedia von medien+bildung.com wird am 18.2.2016 um 18.30 Uhr in der Wonnegauschule in Osthofen Premiere feiern. Gäste und Mitwirkende gedenken somit der Opfer des Nationalsozialismus auf moderne, digitale und jugendliche Art: Kurzgeschichten mit dem Tablet, Onlinepräsenz über Facebook und Youtube.

Drei bewegende, völlig unterschiedliche Trailerfilme sind mit der App "iMovie" entstanden: „Jeder kann Opfer und Täter sein“; „Genießt die Freiheit“; „Rassismus gibt´s noch immer - Jeder kann was tun.“... So ungefähr die Botschaften der Minifilme, produziert mit Tablets. In 5 Tagen lernten die Förderschüler/innen der 9. Klasse wie man Gefühle, Gedanken und Mei-nungen in bewegte und bewegende Bilder umsetzt. Inputs aus der Ausstellung der Gedenkstätte, von Angehörigen von Ausschwitzüberlebenden und viele ganzheitliche Methoden bildeten das passende Konzept, um den Schüler/innen Kreativität zu entlocken. Das Konzept den Teilnehmer/innen mit tänzerischen Übungen einen emotionalen Zugang zu diesem schweren und dunklen Thema zu ermöglichen, ging voll auf. Noch in der gewohnten Schulumgebung entwickelten die zehn Jungs und vier Mädchen schon am ersten Tag kurze Tanzszenen zu den Begriffen wie Widerstand, Hass oder Freunde. Seinen Körper sprechen lehren war eine ganzheitliche Erfahrung und machte die Gruppe offener und sensibler gegenüber den Wahrnehmungen der Einzelnen. Weitere Teamübungen stärkten die Klasse, gemeinsam die Herausforderungen in diesem außergewöhnlichen Projekt zu schaffen. Denn über normale Schulzeiten hinaus und über gewohnte Konzentrationsschwächen hinweg vertieften sich die Jugendlichen ins Thema: Vertreibung von Familien in der NS-Zeit. Die nächsten Tage wurde die KZ-Gedenkstätte zum außerschulischen Lern- und Erlebnisort:

Die Historikerin Kerstin Hetzel und Helene Gomse vom Landesverband Deutscher Sinti und Roma fütterten sie mit Informationen über die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus und deren Auswirkungen auf Kinder und ihre Familien. Tief erschüttert und bewegt lauschte die Klasse den Angehörigen von Ausschwitzüberlebenden: Familie Braun bedankte sich für das ehrliche Interesse und machte Mut, für die Zukunft daraus zu lernen ohne Hass und mit Toleranz für unterschiedliche Kulturen. Am vierten Projekttag galt es diese Eindrücke in Filmszenen zu transportieren. Ein Gefühl mit dem Körper auszudrücken ist eine Sache, es vor der und für die Kamera zu inszenieren eine weitere Herausforderung. Bildgestaltung ist hoch komplex und abstrakt, mit spielerischen Bewegungsübungen vor der Videokamera konnten die Schüler/innen mit dem eigenen Körper begreifen, wie es z. B. wirkt ein trauriges Gesicht nah vor der Kamera zu bewegen oder wenn eine hektische Verfolgergruppe im Hintergrund für Aufmerksamkeit und Aktion sorgt. Videotanz eignet sich bestens in kurzer Zeit Lerneffekte mit Spaßfaktor zu erzielen. Das TanzMedia-Team Nadja Winterstein und Katja Batzler schulen die Jugendlichen von Anfang an, Eigenverantwortung für ihre kreativen Werke, die Arbeitsgruppe und für sich selbst zu übernehmen. Nach Fotoübungen mit dem iPad zu weiteren Begriffen aus dem Brainstorming mit den Teilnehmer/innen endete der Tag dann in gemeinsamer Sichtung und Reflexion der ersten Ergebnisse. Peer-to-Peer Lernen bzw. Kommentieren der Mitschüler/innen gelingt mit Apple TV blitzschnell und effektiv. Jede/r Schüler/in konnte seine persönlichen Eindrücke vom Tag in sein zugewiesenes Tablet eintragen in Form eines eBooks mit Text, Bildern, Sounds oder Videos. Dank der finanziellen Unterstüt-zung von „Mainz 05 hilft“ e.V. und der Globus-Stiftung hatte jede/r Teilnehmer/in ein iPad, da ein Klassensatz angeschafft werden konnte.
Am letzten Projekttag galt es alle Hinweise, das Bewegungsmaterial und eigene Gedanken und Gefühle in bewegende Szenen zu übertragen. Mit der App „iMovie“ und deren Trailerfunktion kann ein vorgefertigtes Layout mit bestimmtem Musikstil kreativ verändert werden: Texte dienen als Titel und Zwischentitel und führen den Zuschauer durch den Film. Bilder und Filmszenen müssen passend dazu aufgenommen und eingesetzt werden. Drei Teams haben am Vormittag das Drehbuch selbst entwickelt und die filmische Gestaltung in Kleingruppen eigenständig umgesetzt. Die Ergebnisse sind beeindruckend und zeugen von großer Teamleistung. Klassenlehrerin Maike Beccard ist sehr stolz ob der authentischen, kreativen und nachdenklichen Filmbotschaften ihrer Schützlinge. Ein wichtiges Puzzleteil für die Förderschüler/innen „fit fürs Leben“ zu werden gemäß dem Schulmotto.
Gänsehautfeeling und spontaner Applaussturm nach der allerersten Präsentation vor Ort für die ersten Blaudesgeschichten!

Alle Kooperationspartner, die Wonnegauschule, der Landesverband Deutscher Sinti und Roma, die Gedenkstätte KZ Osthofen und medien+bildung.com präsentieren stolz die Ergebnis-se am Donnerstag, den 18.02.16 um 18.30 Uhr in der Aula der Wonnegauschule. Herzlich eingeladen sind vor allem die finanziellen Förderer dieses Projektes.