APP in die Stadt! Die Kaiserdom-App

Der Speyerer Oberbürgermeister war da, die Direktorin der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt; aus Bonn war eigens eine Referentin der Bundeszentrale für politische Bildung gekommen. Doch die Stars der Präsentation am 31. Mai im „Gymnasium am Kaiserdom“ in Speyer waren die fünf Schüler, deren Schöpfung enthüllt wurde: In einjähriger Arbeit hatten Fabian Kögel, Leonard Nürnberg, Niels Münzenberger, Benedikt Dassler und Johannes Schantz die „Kaiserdom-App“ entwickelt – ein Stadtspiel fürs Handy, das in erster Linie Jugendliche in die Geschichte der alten Reichs- und Bischofsstadt Speyer einführt.

Für die einen sind die 17- bis 18-jährigen geschickte Programmierer, für die anderen sind sie phantasievolle Geschichtenerzähler und Gamedesigner, und für ihren Schulleiter Dr. Peter Zimmermann sind sie vor allem souveräne Projektmanager und Kommunikatoren. Tatsächlich sind sie alles zusammen, und darüber hinaus Grafiker, Schauspieler und Videoproduzenten und Vieles mehr.

Denn die Kaiserdom-App ist ein vielseitiges Such- und Rätselspiel für geschickte Nachwuchsagenten und –agentinnen. Wer sich auf die „Mission Delta“ einlässt und den Anweisungen von „Tony Quest“ folgt, begibt sich auf eine digitale Schnitzeljagd durch das historische Speyer. Anleitungen und Fragen kommen aus dem Internet, mit dem die Teilnehmer/innen immer wieder über „QR-Codes“ (quadratische Schwarz-Weiß-Kästchenkombinationen) an markanten Stellen ihres Weges in Verbindung treten. „Tony Quest“ meldet sich dann per Video, um die nächste Aufgabe zu stellen. Die Nachwuchs-Agent/innen sammeln durch geschicktes Aufgabenlösen Punkte, die sie im zweiten Teil ihrer Mission wieder aufs Spiel setzen. Am Ende gewinnt, wer viel weiß (bzw. schnell lernt), schnell reagiert und besonders geschickt punktet.

Raffiniert ist die Handy-Applikation „hybrid“ gestaltet; Fragen und Antworten sind auf einer Website geparkt. So ist das eigentliche, mit dem Google App Inventor programmierte Spiel recht schlank, denn es kann auf Inhalte einer webbasierten Datenbank zurückgreifen. Diese schlaue Konstruktion ist der eigentliche Reiz der Entwicklung: Auf der Grundlage der „Kaiserdom-App“ sind problemlos viele Spiele mit unterschiedlichen Inhalten denkbar. Der Anpassungsaufwand ist begrenzt; künftige Spieleerfinder können auf die Vorarbeit der fünf Speyerer zurückgreifen – und das ganz wörtlich, denn die Fünf stellen sich „peer to peer“ mit Rat und Tat zur Verfügung. Auf ihrer Website www.kaiserdom-app.de ist der Platz für weitere Handy-Stadtspiele schon eingerichtet.

Die Kreativität und der professionelle Gestaltungsansatz der Schüler begeisterten die Gäste der Release Party im Orchestersaal des Kaiserdom-Gymnasiums; der Beifall galt aber auch Steffen Griesinger und Marco Teufel von medien+bildung.com, die die Fünf 2011 „gecastet“ hatten und den zeitaufwändigen Entwicklungsprozess fachlich und pädagogisch vorantrieben. Bedankt wurden auf Seiten der Schule vor allem der Informatiklehrer Dr. Peter Dauscher und ansonsten die drei Speyerer Firmen (Sparkasse, Stadtwerke und der Filterproduzent Mann+Hummel), die sich als Sponsoren fanden.

Die Kaiserdom-App wartet nun auf abenteuerfreudige und geschichtsneugierige Speyer-Besucher/innen, und das Projektteam aus Medienpädagogen und Schülern ist bereit für neue Missionen: Für alle App-Erfinder an anderen Orten, die von der Erfahrung und der Vorarbeit der Speyerer profitieren möchten.