„Seriös und neutral soll man gucken"

Von: Christine Zinn

Bereit seit 3 Jahren findet an der Realschule plus Ramstein-Miesenbach das Projekt Pimp your future für die Schulabgänger statt.

Bereit seit 3 Jahren findet an der Realschule plus Ramstein-Miesenbach einmal jährlich das Projekt Pimp your future für die zukünftigen Schulabgänger statt. An zwei Tagen werden sie intensiv auf die anstehende Bewerbungsphase vorbereitet.

Angereichert mit medienpädagogischen Methoden konnten auch in diesem Jahr die rund 40 Schüler unterstützt von Nicole Jacob (Jugendberufshilfe des Jugendbüros Ramstein) und Christine Zinn (Medienpädagogin medienundbildung.com) sich mit ihrer direkten Zukunft auseinandersetzen.
Wie gestalte ich ein Portraitfoto? Um den Unterschied zwischen privat und beruflich auszuarbeiten, bekamen die Schüler die Aufgabe selbst Fotos zu gestalten indem sie in unterschiedlichen gespielten Situationen zu sehen sind: Ich in einem sozialen Netzwerk meiner Wahl, Ich mit Freunden unterwegs, Ich allein für mich und Ich bewerbe mich bei meinem Traumjob. Beim gemeinsamen Sichten wurde schnell deutlich, dass sich besonders das Bewerbungsbild von den anderen abhebt. „Seriös und neutral soll man gucken auf so einem Bild.“ erklärt ein Junge, „Aber lächeln darf man schon auch - sonst wirkt das so böse als würde man den Job gar nicht wollen.“ ergänzt ein Mädchen.

Laut und deutlich zu sprechen, selbstsicher zu wirken, konnten die Schüler vor der Kamera üben, in dem sie gegenseitig ihre Stärken benannten. Eine Gruppe wurde bei dieser Übung besonders kreativ: So traten die Schüler wie als Moderatoren einer Show vor die Kamera und präsentierten ihre Mitschüler einem gespielten Publikum. Wie viel leichter es ist in eine Rolle zu schlüpfen, um nicht so schnell angreifbar zu werden, dass ich aber bei einem Bewerbungsgespräch oder/und in einer neuen ungewohnten Umgebung i.d.R. mein Innerstes schon allein vor Aufregung offen lege, bewiesen die Schüler am darauffolgenden Tag als sie jeweils zu zweit einen Termin für ein Übungsbewerbungsgespräch vor der Kamera wahrnahmen. Mithilfe des Mitschnitts konnte der Gesprächsverlauf und das Verhalten der Schüler gemeinsam analysiert werden.

Die Inhalte der Vorbereitung sind nicht neu für die Altersgruppe, haben sie doch bereits in der 8. Klasse erste Methodenkompetenzseminare besucht und Praktika-Erfahrungen gesammelt. Dennoch zeigte sich erneut, dass die Auseinandersetzung mit dem beruflichen Werdegang für den Großteil der Schüler noch nicht im Alltag präsent ist. So hat bislang nur ein Schüler einen Ausbildungsplatz sicher und ca. 10 Schüler werden dank guter Noten nach dem Sommer auf die Berufsschule oder das Gymnasium wechseln können. Einige haben Bewerbungen geschrieben und berichteten stolz von Einladungen zu einzelnen Bewerbungsgesprächen.

„Leider haben viele der Schüler oft auch falsche Vorstellungen von Berufsfeldern, Chancen auf dem Arbeitsmarkt und/oder Erfolgen an den weiterführenden Schulen. Den Zahn heißt es ihnen möglichst noch hier an der Schule zu ziehen und dann gemeinsam schnell mit ihnen nach realistischen Möglichkeiten zu suchen und sie darin voll und ganz zu unterstützen“, so Nicole Jacob. Für sie heißt es nach dem Projekt einzelnen Schülern, die nicht von selbst auf sie zu kommen und ihre Hilfe suchen, auf die Füße zu treten, damit sie nicht wie so viele junge Menschen im Sommer erst aufwachen wenn der Schonraum Schule tatsächlich nicht mehr da ist und sie arbeitslos sind.

In der Abschlussrunde des Projekts wurden die Schüler gefragt, was sie von diesem Projekt für sich mitnehmen können: „Ich habe feststellen müssen, dass ich mich nochmal genauer mit dem Berufsfeld meiner Wahl auseinandersetzen muss.“ „Vielleicht ist ein FSJ erst mal eine gute Idee, um mir mehr Orientierung zu geben.“ „Wenn ich noch einen Ausbildungsplatz bekommen will, muss ich jetzt schnell Bewerbungen schreiben.“ „Um wirklich noch das Abitur an einem Gymnasium zu schaffen, muss ich jetzt schon lernen und mich um gute Noten bemühen.“  In diesem Sinne wünschen wir den Schülern viel Erfolg bei ihren nächsten Schritten in die beruflichen Laufbahnen.