Wa(h)re Bildung - Edigheimer Gespräche 2

Gunter Dueck, IBM Chief Technologist, Buchautor und passionierter Querdenker, trug am 30. Juni 2009 im Ludwigshafener Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasium seine Thesen zu einer Ökonomie „mit menschlichem Antlitz“ und einer Schule mit „intelligenten Programmen“ vor. Er trat im Rahmen des Projekts "Wa(h)re  Bildung - Edigheimer Gespräche 2" auf. Die Projektergebnisse werden das WHG und medien+bildung.com auf einer gemeinsam entwickelten Lernplattform veröffentlichen. 

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Bildung klaut…“ skandierten die Schülerinnen und Schüler, als sie am 17. Juni 2009 zu Hunderten durch die Mainzer Innenstadt (und durch viele andere Städte) zogen. Doch was ist „Bildung“? Und wer will welche? Welche braucht die „moderne“ bzw. die heutige Gesellschaft? Warum kam „Bologna“ über uns? Was steckt dahinter?  Warum, so fragt Peter Sloterdijk, entlässt die Schule „Jahr für Jahr Schülerkohorten, denen man ihre Anpassung an ein aus dem Ruder gelaufenes Schulsystem immer deutlicher anmerkt, ohne dass den einzelnen Lehrer und Schüler auch nur die geringste Schuld daran träfe?“
Und: was ist die Lösung? Liegt sie in der Wiederaufwertung des alten (verloren geglaubten) Humboldtschen Bildungsideals? Oder in der digitalen Revolution in der Schule? Wäre mit dem einen oder mit dem anderen die „Bildungsmisere“ zu beseitigen? Indem Schule die allgemeine Not des Denkens ins Zentrum des gesellschaftlichen und damit schulischen Diskurses stellt, macht sie sich und ihre Protagonisten wieder mündig – so die These der Ludwigshafener Veranstalter.

Prof. Dr. Gunter Dueck hat diese Fragestellung als relevant empfunden und kam deshalb am 30. Juni aus dem Olymp des technologischen Denkens, um den aufgeklärten Fragen von Gymnasiasten Rede und Antwort zu stehen. Im Rahmen eines öffentlichen Unterrichts diskutierten Gunter Dueck, Mathematikprofessor, Vortragskünstler und IBM Distinguished Engineer mit dem Titel „Chief Technologist“, und Siegfried Czernohorsky, Referent des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums (MBWJK) mit Schülern und Schülerinnen der 10., 11. und  12. Jahrgangsstufen des Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasiums Ludwigshafen sowie ihren Lehrern Karl Ludwig Kemen (Bildende Kunst) und Christoph Kupfer (Deutsch/Ethik) vor Zuschauern und der Presse. Die Schüler/innen hatten sich mit den Thesen von Gunter Dueck zu „Culture Technologies“ bereits im „echten“ Schulunterricht auseinandergesetzt. „Culture Technologies ist für mich die Gesamtheit der technologischen Anstrengungen, um die Bildung und das Wissen der Menschheit eine ganze Stufe höher zu schrauben.“ Sagt und schreibt Dueck. Das Konzept trug  er als Hauptredner bei der D21-Konferenz am 14.11.2008 in Berlin vor. (http://www.zaplive.tv/web/initiatived21?streamId=initiatived21/c37f0d20-10b5-456a-9b85-34a4190225e2)
Ähnliches fordert auch die Landesregierung in Mainz und lässt den Worten Taten folgen mit dem Programm „Medienkompetenz macht Schule“ (http://medienkompetenz.rlp.de/ ). Diese 2007 gestartete Initiative stellt mit Unterstützung aus dem Konjunkturprogramm II insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung, um Schulen mit Kompetenzen und Technik auf ihrem Weg in die digitale Zukunft zu unterstützen. Siegfried Czernohorsky ist der verantwortliche Referatsleiter im MBWJK für Medienbildung in der Schule.

Im Anschluss an dieses kontroverse Gespräch trug der unterhaltsame Redner und präzise Analytiker Dueck seine Thesen zu einer Ökonomie „mit menschlichem Antlitz“ und einer Schule mit „intelligenten Programmen“  unter der Überschrift „Wider die Unvernunft in Ökonomie und Bildung“ vor.

Die Veranstaltung reiht sich ein in den Kontext des Gesamtprojekts  „Wa(h)re Bildung: Zum Verhältnis von Arbeit, Demokratie und Freiheit. Oder: von den Folgen des Neuen Kapitalismus“ des Wilhelm-von-Humboldt Gymnasiums. Seit einem Jahr beschäftigen sich Lehrer und Schüler an dieser Schule intensiv mit diesem Thema. U.a. haben sie im Rahmen der Vortragsreihe „2. Edigheimer Gespräche“  seit Oktober 2008 viele interessante Vortragsredner in ihre Aula holen können. Frau Dr. Eva Lohse, die Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen, hat die Schirmherrschaft über dieses groß angelegte Unterfangen, der wahren Bildung auf die Spur zu kommen, übernommen.

Damit die wertvollen Recherchen, Diskussionen, Interviews und Vorträge nicht in einer einmaligen Aktion verpuffen, wird dieses Material auch zukünftigen Unterrichtssituationen in einem Internetportal zur Verfügung gestellt. meet-bildung.org wird die Adresse dieser auf der Moodle-Software (Open Source) basierenden Lehr-Lernplattform lauten: media, economics, education, transfer. Entwickelt und implementiert wird die Plattform vom Kooperationspartner medien+bildung.com, der jüngsten Tochtergesellschaft der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) in Ludwigshafen. Das Portal „meet“ wurde im Rahmen der Veranstaltung mit Prof. Dueck zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.