Druckwerk Orange: Projektbericht

Druckwerk Orange

Eine experimentelle Audio-Installation
zum Thema Mobbing und verbale Gewalt
im Klangdom des ZKM | Institut für Musik & Akustik,
in Kooperation mit der Regionalen Schule Rülzheim
und medien+bildung.com

Inhalt
- Projektdaten
- Projektverlauf
- Ergebnis   
- Präsentation
- Perspektiven
- Beteiligte Personen
- Anhang 
   - Über den Projekttitel Druckwerk Orange 
   - Presseartikel der Rheinpfalz vom 9.6.2008

Projektdaten

Laufzeit:                Anfang Februar bis Ende Juni 2008

Teilnehmer/-innen:     7 weibliche und 5 männliche Teilnehmer/-innen im Alter von 10 bis 16 Jahren (9. Klasse)

Projektrahmen:    Projekt-Angebot im Rahmen der Ganztagesschule

Kooperationspartner:        medien+bildung.com
        ZKM | Institut für Musik & Akustik
        Regionale Schule Rülzheim

Sonstige Partner:    Fa. Neumann Berlin im Rahmen eines Social Sponsorings


Projektbeschreibung

Die Zielsetzung des Projekts „Druckwerk Orange“ lag in der Erstellung einer experimentellen Audio-Installation zum Thema Mobbing und verbale Gewalt. Das Projekt erfolgte in Kooperation zwischen medien+bildung.com, dem Institut für Musik & Akustik des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) und der Regionalen Schule Rülzheim.
Die Projektgruppe nutzte die weltweit einzigartige Raumklangtechnologie des ZKM | Institut für Musik & Akustik. Das Besondere dieser Technik, die als „Klangdom“ bekannt ist, sind die 42 exakt im Raum angeordneten Lautsprecher. Durch diese lassen sich 360˚-Klangpanoramen schaffen, bei denen Geräusche  beispielsweise eine elliptische Form im Raum beschreiben oder sich wellenförmig ausbreiten können. Auch kann jeder Lautsprecher einzeln angesteuert werden, was es ermöglicht, verschiedene Personen aus bis zu 42 unterschiedlichen Richtungen sprechen zu lassen und so den Eindruck einer virtuellen Masse zu erzeugen.

Projektziele

Die Schüler/-innen sollten nicht nur den Umgang mit der benötigten Technik erlernen und Einblicke in den Bereich der professionellen Audio-Produktion gewinnen. Durch den Zugang zu einer einzigartigen Audio-Technologie wie dem ZKM_Klangdom sollte bei den Schüler/-innen vor allem das Bewusstsein für die Bedeutung und Wirkung von Sprache, akustischen Ereignissen und Mehrkanal-Tontechnik in einer multifaktoriellen Medienwelt gefördert werden. Denn gerade die auditive Ebene im Bereich Multimedia ist es, die zwar scheinbar nur unbewusst wahrgenommen wird, dabei aber wesentlich an der Konstruktion medialer Wirklichkeit beteiligt ist.
Daneben sollte auch der sprachliche Ausdruck, das kreative Schreiben und die Teamkompetenzen gefördert sowie ein Bewusstsein für die mitunter verheerende Wirkung verbaler Kommunikation geschaffen werden.

Das thematische Ziel des Projekts war es mithilfe der ZKM-Raumklangtechnologie alltägliche, verbal vermittelte Gewalt in ihrer ursprünglichsten Form, nämlich der akustischen, darzustellen. Es wurde davon ausgegangen, dass es dank der besonderen Technik des Klangdoms möglich sein könnte, diese Form von Gewalt in einer eindringlichen Weise zu illustrieren, wie es kein visuelles Medium vermag. Dabei sollte es keineswegs nur um lautsstarke Beschimpfungen und derbe Kraftausdrücke gehen! Vielmehr hatte das Projekt den Anspruch, die Wirkung des Zusammenspiels verschiedener, mitunter sehr subtiler Aussagen erfahrbar zu machen und als ästhetisches Hörerlebnis eindrucksvoll zu inszenieren.
Mit der Installation sollten keine Antworten geliefert oder plump der pädagogische Zeigefinger erhoben werden. Vielmehr ging es darum, den/die Hörer/-in in die Rolle des Opfers zu versetzen und ihm/ihr die Möglichkeit zu geben, über sich und sein/ihr eigenes Rollenverhalten nachzudenken.
Welche konkreten Inhalte die Installation enthalten sollte, wurde nicht vorgegeben. Die Grundidee der Installation sollte von den Schüler/-innen mit Inhalt und leben gefüllt werden. Ganz gleich, ob es sich dabei um Mobbing und „Zickenterror“ im Klassenzimmer oder polemische Angriffe gegen Minderheiten in den Medien handelte.

Projektverlauf

In Absprache zwischen den Projektpartnern wurde das Projekt im zweiten Schulhalbjahr 2007/2008 als Projekt-Angebot im Rahmen der Ganztagsschule an der Regionalen Schule Rülzheim ausgeschrieben. In der Folge traf sich die koedukative Gruppe – bestehend aus 7 weiblichen und 5 männlichen Teilnehmern/-innen im Alter von 15 und 16 Jahren – wöchentlich unter der Leitung des Medienpädagogen Steffen Griesinger (medien+bildung.com) und des Musiklehrers Michel Kröninger (Regionale Schule Rülzheim).
Zu Beginn des Projektes tauschte sich die Gruppe im Kreisinterview, bei dem sich die Schüler/-innen gegenseitig filmten, über das Thema „verbale Gewalt“ aus. Schnell stellte sich dabei heraus, dass für die Teilnehmer/-innen verbale Gewalt vor allem im schulischen Kontext eine Rolle spielt. Besonders das sogenannte „Mobbing“ bewegte die Schüler/-innen, die nach eigenen Angaben allesamt bereits in irgendeiner Weise Mobbingerfahrungen – passiv oder aktiv – gemacht hatten.
Um den Schülern/-innen die technischen Möglichkeiten und den Hintergrund der Raumklangtechnologie zu vermitteln, wurden auf theoretischer Ebene einige Grundlagen der Mehrkanal-Tontechnik besprochen und Kunstkopfaufnahmen vorgestellt. Außerdem konnten sie nach kurzer Zeit eine eigene kleine Audio-Installation entwickeln. Bei dieser Installation wurden mit der Studiosoftware Adobe Audition sechs  kreisförmig positionierte Aktivboxen über ein Audiointerface angesteuert. Jeder Box ließ sich eine Spur zuweisen, womit erste surround-Experimente mit Sprache, Musik und Geräusche angestellt werden konnten. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch die erste Begegnung mit dem Klangdom. Im Rahmen einer Führung wurden den Schülern/-innen zwei eigens für den Dom entwickelte Musikstücke präsentiert. Diese vermittelten eindrucksvoll die Möglichkeiten der Raumklangtechnologie.
Ein weiteres wesentliches Augenmerk der Projektarbeit lag auf der ausdruckstarken Sprachgestaltung. Daher wurde bereits von Anfang an Wert auf theaterpädagogische Übungen gelegt, die im Spiel soziale Ausgrenzung und verbale Gewalt erfahrbar machten. Dabei konnten die Teilnehmer/-innen sich nicht nur in die Opfer-, sondern auch in Täterperspektive hineinversetzen und erlebten, wie die Körperhaltung - insbesondere der sogenannte Hoch- bzw. Tiefstatus - zur Sprachgestaltung beiträgt. Hinzu kamen Stimm- und Artikulationstrainings, die das gefühlsbetonte Sprechen fördern sollten.
Ein weiteres Element waren Teamspiele und Übungen, um das Gruppengefühl und die Fähigkeit zur Teamarbeit zu fördern.

Um die Hörspielszenen sowie die Textelemente zu entwickeln, wurde vor allem mit der Metaplan-Methode gearbeitet. Zum Einen wurden mittels Brainstorming verschiedene Aussagen gesammelt. Die Wirkung dieser Textelemente wurde dann direkt getestet, indem sich die Gruppen im Kreis um ein, zwei Mitschüler/-innen formierte und mit den Texten improvisierten. Zum andern entwickelten alle Teilnehmer/-innen eine eigene Figur mit zugehöriger Rollenbiographie, die sie der Gruppe vorstellten. Auch hier wurden in Gruppenarbeit verschiedene Personen/-gruppen erarbeitet, die mit dieser Figur in Interaktion traten. In einem weiteren Schritt wurden Aussagen gesammelt, mit denen die Figuren konfrontiert werden konnten. Anhand der so gesammelten Metaplan-Karten konnten dann alle Teilnehmer/-innen ihren eigenen Hörspieltext entwickeln.

Außerdem wurde der Versuch gewagt via Email-Kommunikation außerhalb des Schulbetriebes in der Gruppe zu arbeiten. Mittels Ketten-Mails wurden hierbei Texte zusammengetragen, die von Mobbingopfern im Internetblog blog.schüler-mobbing.de veröffentlicht wurden. Jede/r Teilnehmer/-in recherchierte einen Text, fügte ihn in die Ketten-Mail ein und verschickte die Mail dann an eine/n weitere/n Schüler/-in der Liste.

Die Texte wurden dann an einem Aufnahmewochenende von den Teilnehmern/-innen im Studio des ZKM | Institut für Musik & Akustik aufgezeichnet. Diese Arbeit erwies sich als besonders intensiv und führte teilweise auch zu starken emotionalen Regungen.    
Um die Wirkung einer virtuellen Masse zu erhöhen, wurden auch diverse Passanten und Besucher des ZKM angesprochen und als Sprecher/-innen angeworben. Diese „Rekrutierung“ bot den Teilnehmern/-innen die Gelegenheit, ihr Projekt nach außen zu tragen, in den Gesprächen ihr Handeln zu reflektieren und für die Präsentation zu werben. Außerdem kam es dabei zu interessanten Begegnungen zwischen den Generationen. So sprach beispielsweise ein 80-jähriger Medienkunstpionier einige Texte ein und auch andere Erwachsene zeigten sich an der Arbeit sehr interessiert.

Sämtliche Texte wurden anschließend von den Teilnehmern/-innen geschnitten. Die Schüler/-innen zeigten hierbei nicht nur, wie ausdauernd sie arbeiteten, sondern auch, wie gut sie sich untereinander organisieren können. So wurde die Organisation des gesamten Schnitts von den Jugendlichen trotz fehlender Lan-Verbindungen an mehreren Rechnern organisiert und bewerkstelligt.

Für das Arrangement der Installation beschloss die Projektleitung in Absprache mit den Teilnehmern/-innen und den ZKM-Technikern, die Verräumlichung etwas zu vereinfachen. Es wurden dreizehn Grobrichtungen auf drei Ebenen festgelegt, aus denen Stimme und Musik zu hören sein sollten. Diese Reduktion ermöglichte es zum Einen, die Verräumlichung der Texte grafisch besser darzustellen und sich darüber auszutauschen. Zum Anderen konnte mit einer weniger komplexen Software (Adobe Audition), die die Schüler bereits vom Schnitt und der ersten kleineren Audio-Installation her kannten, gearbeitet werden.

Ergebnis

Das Ergebnis dieser Arbeit ist eine 20-minütige Audio-Installation. Diese besteht im Wesentlichen aus drei Teilen. Zu Beginn steht der Einmarsch, bei dem sich eine „virtuelle Masse“ um die Hörerschaft formiert. Es folgt der erste Teil. Dabei werden die Hörer/-innen mit „Du-Botschaften“ konfrontiert, wie sie oft im alltäglichen Sprachgebrauch junger und alter Menschen zu finden sind. Anschließend folgt die Überleitung zum eigentlichen Hauptteil. In Hörspielform werden kurze Szenen eingespielt, in denen Personen, direkt oder indirekt mit Inhalten verbaler Gewalt konfrontiert werden. Durch passende Geräuschatmosphären werden die Hörer/-innen quasi direkt an den Ort des Geschehens versetzt und erleben so die Szene hautnah.
Unterbrochen wird dieser Teil von Zitaten, die von Rülzheimer Schülern/-innen eingesprochen wurden. Da sich die Installation vor allem mit Mobbing und verbaler Gewalt im schulischen Kontext beschäftigt, werden hierbei Texte rezitiert, die Mobbingopfer im Internetforum blog.schueler-mobbing.de veröffentlicht haben.
Den dritten und letzten Teil der Installation bilden alltägliche Lästereien, die zwar oft nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen werden, deren Wirkung aber verheerender sein kann als die direkter verbaler Attacken.
 
Präsentation

Präsentiert wurde die Installation erstmals am 6. Juni 2008 im Kubus des ZKM. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde auch eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus den Bereichen Bildung, Kunst und Medien initiiert. Dabei sollte es nicht nur um die Installation selbst, sondern auch um das Thema Mobbing und die Möglichkeiten von Medieneinsatz im Unterricht gehen.

Die über hundert anwesenden Gäste wurden von Christian Kleinhanss (Pädagogischer Leiter/ medienundbildung.com) durch den Abend geführt. Er begrüßte die Gäste und stellte ihnen nach der Präsentation das Schülerteam des Projekts Druckwerk Orange sowie die beiden Pädagogen vor, die das Projekt leiteten.
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion gab es von den geladenen Experten viel Lob für die Arbeit der Schüler. Anwesend auf dem Podium waren:

- Burkhard Schaefer, Bildungsministerium Rheinland-Pfalz    
Herr Schaefer ist Referent für Medien und neue Informations- und Kommunikationstechnologien in der Schule.
Ein akustisches Erlebnis wie das Druckwerk Orange im ZKM_Klangdom habe er nach eigenen Bekunden das letzte Mal in den 70iger Jahren beim Pink Floyd Konzert in Düsseldorf gehabt. In Projekten wie dem Druckwerk Orange sieht er die Chance, dass Schüler sich vom Objekt, das von der Technik beherrscht wird, hin zum Subjekt entwickeln, das die Technik beherrscht.

- Ludgar Brümmer, Leiter des ZKM | Institut für Musik und Akustik
Prof. Brümmer ist selbst Medienkünstler und Musiker und als Leiter des Instituts für Musik und Akustik im ZKM der Gastgeber des Abends.
Ihn beeindruckte vor allem, dass die Schüler/-innen den Klangraum des Doms in einer Räumlichkeit nutzten, wie er es sich oft von Gast-Musikern wünschen würde. Außerdem lobte er die Qualität der Musikalität, des Rhythmus und der  Struktur der Installation.
Für ihn ist das Hören überlebenswichtig und eigentlich der Sinn, der uns sehr viel mehr über die Realität erklärt. Bestes Beispiel ist für ihn eine Szene aus Jurassic Park. Im Fernsehen sind die Dinosaurier sehr klein. Was den Eindruck der Größe vermittelt, ist nur der Klang. Der Klang erklärt die Realität und gibt eine sinnliche Erfahrung der Realität.

- Lena Dietze, Hessischer Rundfunk – AK Radio und Schule    
Lena Dietze ist Radiofachfrau und Vertreterin des „Arbeitskreises Radio und Schule“ des Hessischen Rundfunks.
Sie zeigte sich von der Installation sehr bewegt und beeindruckt. Vor allem die eindrucksvolle Darstellung der verbalen Gewalt und die Authentizität der Sprache und Situationen hebt sie hervor.
Für sie ist das gemeinsame Hören eine besondere Erfahrung und sie findet, dass die Fähigkeit Informationen aus dem Gehörten zu entnehmen, auch auf diesem Wege in den Schulen stärker gefördert werden sollte.

- Werner Ebner, Initiator von www.schueler-mobbing.de    
Herrn Ebner ist Lehrer und Projektleiter sowie Initiator des Internetportal www.schueler-mobbing.de, von dem einige Texte von Mobbingofern in der Installation zitiert wurden. Er berichtet von einer bundesweiten Onlinestudie, nach der wöchentlich über 500.000 Schüler/-innen in Deutschland gemobbt werden. Die Frage, ob die Schüler/-innen des Projektteams in ihrer Wortwahl und Drastik übertrieben haben, verneint er. Aus seiner jahrelangen Erfahrung räumt er ein „die Schüler haben eher untertrieben“.

Perspektiven

Dank einer Leihgabe der Firma Neumann konnte die gesamte Präsentation mit einem hochwertigen Kunstkopf-Stereo-Mikrofon aufgezeichnet werden. Die so entstandene Aufnahme vermittelt auf guten Stereo-Kopfhörern einen Eindruck von der räumlichen Wirkung der Installation. Diese Aufnahme soll in Zukunft auf den Online-Präsentationen von medien+bildung.com sowie der Regionalen Schule Rülzheim zum Download bereit stehen. Darüber hinaus wird die Aufnahme in Zukunft auch auf den Internet-Plattformen audiyou.de und soundnezz.de zu hören sein und beim ARD-Online-Award „Premiere im Netz“ eingereicht werden. Damit verknüpft ist auch die Hoffnung der Macher und Macherinnen des Projekts Druckwerk Orange, die Installation auf den ARD Hörspieltagen, die 2008 wieder im ZKM stattfinden werden, präsentieren zu können.

Inhaltlich konzentriert sich die Audio-Installation des Projekts „Druckwerk Orange“ vor allem auf sprachliche Gewalt und Mobbing im schulischen Kontext. Aufgrund übereinstimmender Expertenmeinungen ist gerade diese Form der Gewalt an Schulen ein häufiges Problem. Aufgrund der durchweg positiven Resonanz der Hörer/-innen und dem Wunsch einiger Lehrkräfte, wird daher in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium, der Abteilung Museumskommunikation des ZKM und www.schueler-mobbing.de ein spezielles Besucherangebot für Schulklassen im ZKM entwickelt, welches auf der im Projekt entstandenen Audio-Installation basieren wird. Interessierten Schulklassen soll die Möglichkeit geboten werden, die Installation im Rahmen einer ZKM-Führung zu hören und anschließend anhand von speziell dafür vorbereitetem didaktischen Material und Übungen das Phänomen der verbalen Gewalt zu bearbeiten.

Außerdem werden die Erfahrungen und Erkenntnisse von „Druckwerk Orange“ in die Entwicklung einer Lehrerfortbildung zum Thema „Experimentelle Audioarbeit“ mit einfließen. Und es werden neue Projekt-Angebote erarbeitet, die auf den gewonnenen Erfahrungen aufbauen. So sollen beispielsweise zukünftig auch Hörspielprojekte in Dolbysurround-Technik angeboten werden.

Beteiligte Personen

Die Schüler/-innen der Projektgruppe
Kevin Abramowski
 Janina Bast
Fabian Boltz
Jennifer Ecker
Selina Fink
Janine Gaßmann
Janina Gemke
Alexandra Grünauer
Ralf Krämer
Myriam Marmri
Maximilian Michel
Fabio Schaurer

Konzeption und Projektleitung
Steffen Griesinger (Medienpädagoge/ medien+bildung.com)

Co-Leitung
Michel Kröninger (Musiklehrer/ Regionale Schule Rülzheim)

Videodokumentation
Daniel Pubanz (Technik Beauftragter/ medien+bildung.com)

Projektkoordination
Christian Kleinhanss (Pädagogischer Leiter medien+bildung.com)
Tom Zielen (ZKM | Institut für Musik und Akustik)

ZKM Technik
Thomas Sauer (Tontechniker/ ZKM | Institut für Musik und Akustik)
Josh Martin (Tonmeister/ ZKM | Institut für Musik

Anhang

Über den Projekttitel Druckwerk Orange
Was zu Beginn nur als Arbeitstitel gedacht war, etablierte sich schnell als Projekttitel und wurde von den Teilnehmern/-innen, von denen einige den im Fernsehen ausgestrahlten Film „Uhrwerk Orange“ gesehen hatten, beibehalten.
Ingesamt erschien der Titel allen Beteiligten als passend. Denn nicht erst seit Kubricks Film - basierend auf dem von Anthony Burgess verfassten gleichnamigen Zukunftsroman  „A Clockwork Orange“ - wird über die Wirkung von Medien und Verhaltensmodifikation diskutiert. Dabei geht es zumeist um geplante, institutionelle Verhaltensmodifikation beispielsweise von Straftätern, auffälligen Jugendlichen usw. oder eine Veränderung des Kauf- und Konsumverhaltens durch Werbung. Beim Projekt „Druckwerk Orange“ geht es vornehmlich um die alltägliche, in aller Regel ungeplante Kommunikation, die zur Verhaltensänderung führt.
Oft wird der Gang zur täglichen Wirk- und Arbeitsstätte als reiner Spießrutenlauf empfunden. Zum Beispiel gibt es Schüler/-innen, die sich nicht mehr trauen im Unterricht mitzumachen, da immer, wenn sie sich melden, Zischlaute von den Mitschülern/-innen zu hören sind. Oder Fußballspieler/-innen, die im Stadion mit Schmährufen und Affenlauten bedacht werden. Unter diesem Druck wandelt sich möglicherweise ein selbstbewusstes Auftreten zu einem unsicheren.

Alltägliche Kommunikation verändert das Verhalten von Menschen, bestimmt, was sie anziehen, wie sie sich bewegen, was sie sagen. Dabei sind wir alle oft Teil dieses „Druckwerks“, das im Zusammenspiel der Kommunikation das Individuum manipuliert.

Burgess führt den Titel seines Buchs auf die Aussage eines 18-jährigen Jugendlichen zurück, der in einem Londoner Pub sagte, er sei 'schräg wie eine aufgezogene Orange' (as queer as a clockwork orange).  (Anthony Burgess, Uhrwerk Orange, Heyne Buch Nr. 928, Deutsche Erstveröffentlichung, 1972). Und dieses „sich schräg“-Fühlen ist es auch, was viele verspüren wenn die Kommunikation ihrer Mitmenschen ihnen sagt: „Du bist falsch“, „Mit dir stimmt was nicht“, „Aus dir wird nie etwas“, „Du bist hässlich“, „dumm“ usw. Theorien wie der Labeling Aproach (u.a. Tannenbaum, Goffman) gehen gar davon aus, dass es durch Kommunikation zu Zuschreibungsprozessen kommt, die in der Folge dazu führen, dass gewisse Verhaltensmuster entsprechend dem zugeschriebenen Status übernommen werden. Im Sinne einer sich „selbsterfüllenden Prophezeiung“ verhält sich demnach „komisch“ (abweichend), wer oft als „komisch“ bezeichnet wird.

"Im Projekt wird die Kommunikation auf Sprache reduziert, mit der durch den Klangdom gegebenen Möglichkeit, sie als eine allumgebende, virtuelle Masse darzustellen. Daher scheint das Modell der Orange passend. Sie symbolisiert als organische Kugel die Dynamik der Kommunikation, die keinen starren Strukturen unterworfen stets im Wandel ist."
- Presseartikel der Rheinpfalz vom 9.6.2008 -