„Multimedia im Hauptfach Deutsch“

Die Klasse 5c des Thomas-Morus-Gymnasiums (TMG) in Daun (Eifel) veröffentlicht ein Sachbuch und eine Internetseite.

Maike, Antonia, Jan-Eric und ihre 26 Mitschüler der Klasse 5c des Thomas-Morus-Gymnasiums (TMG) in Daun (Eifel) waren noch nicht geboren, als 1998 Studien nachdrücklich vor der Wirklichkeitsentfremdung der jungen Generation warnten, insbesondere verursacht durch den medialen Einfluss. „Die überwiegende Zahl der Kinder wird zukünftig glauben, Kühe seien lila und Enten gelb“, hieß es. Was dagegen durch eine sinnvolle Verzahnung von Medien und Lerninhalten in Kontext der verbindlichen Ganztagsschule erreichbar ist, beweisen die jungen Eifelaner mit ihrem gerade erschienen Kindersachbuch „Alles Bio - oder was?“.

Sechs Monate intensives Arbeiten im Projekt „Multimedia im Hauptfach“ und einige schlaflose Nächte liegen hinter ihnen. Nun kann die Buchveröffentlichung und der Start der dazugehörigen Internetseite www.kulturabenteurer.de gebührend gefeiert werden. „Am Anfang konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass es ein halbes Jahr dauert, ein Buch zu machen. Ich war gespannt, was dabei herauskommt,“ erinnert sich die zehnjährige Antonia an den Projektstart zu Beginn des Schuljahres 2006/2007. Maike, ebenfalls zehn Jahre, hatte Angst vor dem Arbeiten mit dem Computer: „Ich dachte, ich könnte das nicht, aber die anderen im Team haben mir geholfen, nun kann ich das alles auch allein.“ Um dieses beachtliche Ergebnis zu Wege zu bringen, verknüpften Deutschlehrer Hubert Eiden (TMG Daun) und sein langjähriger außerschulischer Kooperationspartner Christian Kleinhanß (Medienpädagoge des Bildungszentrums BürgerMedien, BZBM) in zwei Wochenstunden die Lerninhalte der Fächer Deutsch und Biologie ihrer Ganztagsschulklasse mit dem Erwerb von Medienkompetenz.
Eine besondere Qualität des Projektes sehe ich darin“, so Eiden rückblickend, „dass uns Videokamera und Computer dabei unterstützt haben, Lernen besonders spannend werden zu lassen. Jedes Kind kennt nun die unterschiedlichen Textsorten, von der Ich-Erzählung bis zum Sachtext. Die Erstellung eines Sachbuches integrierte viele Aspekte und bot Möglichkeiten der Verknüpfung über Fächer hinweg. So zeichneten die Kinder im Kunstunterricht Illustrationen, griffen im Biologieunterricht die Sachinhalte auf und erstellten im Fach Informatik erste Internettexte.“ „Einerseits haben die Kinder sich selbst bestimmt mit einem ihrer Lebenswelt nahen Thema beschäftigt, indem sie den Biobauernhof aus dem Nachbardorf besuchten und beschrieben. Andererseits war es für die Kinder ein Erlebnis, durch aktive und kreative Medienarbeit die Zusammenhänge der digitalen Welt zu verstehen.
Wer selbst Medienschaffender ist. lässt sich nicht von Medien manipulieren“ erläutert Christian Kleinhanß die Ziele des BZBM-Engagements an Ganztagsschulen. „Es ist unser Anliegen, Kinder und Jugendlichen vom passiven Konsumenten zum kritischen Mediennutzer zu erziehen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern auf eine Weise, die Spaß macht und ganz unbemerkt weitere Schlüsselkompetenzen wie Lese- oder Teamfähigkeit vermittelt.“ Seit 2004 engagierten sich das Bildungszentrum BürgerMedien (BZBM), die Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) und das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur (MfBWJK) in einer dreijährigen Pilotphase in erfolgreicher Weise in 18 rheinland-pfälzischen Ganztagsschulen, belegt durch Evaluation und bundesweite Auszeichnungen. Im kommenden Schuljahr wird diese innovative Form der Medienkompetenzförderung als dauerhaftes Kooperationsangebot in eigens gegründete, dauerhafte Strukturen überführt. Dann übernimmt die neue LMK-Tochter „medien+bildung.com - Lernwerkstatt Rheinland-Pfalz. gemeinnützige GmbH in Gründung“ (m+b.com) die Medienbildung an 36 Ganztagsschulen als eine ihrer Kernkompetenzen. „Wie bisher gewohnt, stellen wir unsere Projektergebnisse, konzeptionell, didaktisch und methodisch aufbereitet, den schulischen und außerschulischen Kooperationspartnern zur Verfügung, denn hier ist das Kopieren ausdrücklich erwünscht“, betont Katja Friedrich vom Bildungszentrum BürgerMedien, neue Geschäftsführerin der m+b.com. Für Kinder aus der Eifel geht es inzwischen bereits weiter mit „Multimedia im Hauptfach Englisch“. Schon jetzt wird das Hörspiel mit Spannung erwartet.

30.11.2007: Förderpreis Medienpädagogik 2007 für „Alles Bio, oder was?“

Das Kindersachbuch „Alles Bio, oder was?“, ein Projekt von medien+bildung.com im Thomas-Morus-Gymnasium Daun, erhielt den Förderpreis Medienpädagogik 2007 der Stiftung MedienKompetenzForum Südwest in der Altersklasse 10 – 16 Jahre. Dreißig Schüler waren am 30. November 2007 aus der Eifel in die Mannheimer Popakademie gekommen, um mitzuerleben, wie der Medienpädagoge Christian Kleinhanss (medien+bildung.com) und der Deutschlehrer Hubert Eiden vom TMG den Preis aus der Hand von Frau Prof. Dr. Gisela Kammermeyer (Universität Landau) entgegen nahmen.

Ziel des Projektes „Alles Bio, oder was?“ war die Verbindung von Lernplaninhalten mit Zielen der Medienkompetenzvermittlung – „dies ist mit der Realisierung des vorliegenden Projektes exemplarisch gelungen“, formulierte Prof. Kammermeyer, die der Jury des Förderpreises Medienpädagogik angehört. „Insgesamt haben die SchülerInnen des Thomas-Morus-Gymnasiums in Daun ein tolles Produkt entwickelt, dass sich sehen lassen kann. „Prädikat: Absolut lesenswert!“ befand die Jury des Förderpreises  Medienpädagogik, der jährlich für modellhafte Projekte in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ausgelobt wird.

Projektwebsite: www.kulturabenteurer.de