Stolpersteine – Was geht mich dieses Schicksal an? - Erinnern heute – und morgen?

Fortbildung  und Ausstellung im Rahmen des Begleitprogrammes zur Eröffnung der bundesweiten Woche der Brüderlichkeit in Ludwigshafen

Aktive Gedenkarbeit ist Teil einer lebendigen Erinnerungskultur einer Stadt, die sich mit den Menschen ändert, die sie ansprechen soll. Bei vielen jungen Menschen, Schülerinnen und Schülern – gerade auch in Ludwigshafen – gehört die Geschichte des Nationalsozialismus zwar zur Geschichte „ihrer“ Stadt, aber nicht zu der „ihrer“ Großeltern und Familie ist. Es gibt nicht die Familiengeschichte, die noch Täter und Opfer in der NS-Zeit ausmachen kann, um eigene Bezüge herzustellen. Aber es gibt andere Familiengeschichten, in denen Flucht, Fluchterfahrung, Repression, Unterdrückung von Minderheiten, Verfolgung und Neuanfang vorkommen - menschliche Erfahrungen, an die angeknüpft werden kann und die so den Bogen von der NS-Zeit in unsere heutige Zeit spannen. Nach wie vor ist das öffentliche Interesse an der NS-Zeit ungebrochen und kann genutzt werden, um Rassismus, Ignoranz und Gewaltherrschaft als Parameter einer Diktatur zu entlarven und um für Toleranz, Friedlichkeit und Miteinander in einer demokratischen Stadtgesellschaft zu werben. Es braucht gemeinsames Erinnern, um sich freiheitlicher, toleranter und liberaler Grundwerte zu vergewissern.

Die Fortbildung bietet einen Einblick in aktuelle Diskussionen, die die Erinnerungsarbeit zur NS-Zeit zurzeit prägen und verändern. Beispiele aus der schulischen Praxis geben konkrete und erprobte Ideen weiter.

Tagungsort: Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen, Walzmühlstraße 63, 67061 Ludwigshafen

Termin: Donnerstag, den 19.2.2015, 13 – 18 Uhr

Kooperationspartner: AK Ludwigshafen setzt Stolpersteine, Medien+Bildung.com, Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen, Evangelische Akademie der Pfalz, Stadtarchiv Ludwigshafen

Die eintägige Fortbildung wendet sich an Multiplikatoren der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit - Lehrerinnen aller weiterführenden Schulen, insbesondere mit den Fächern Geschichte, Deutsch, Sozialkunde, Ethik, Religion und Kunst.

Anmeldung: medienundbildung.com/seminare/

Die Tagung ist vom Pädagogischen Landesinstitut als Lehrerfortbildung anerkannt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Ablauf:

13.00 Ankommen und Zusammenkommen

13.30 Begrüßung und Grußworte
Begrüßung: Monika Kleinschnitger, AK Ludwigshafen setzt Stolpersteine
Grußwort: Dieter Burgard (LAG Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit)

13.45 Impulsvortrag und Diskussion
Dr. Thomas Lutz: Erinnern heute – und morgen? Aktuelle Herausforderungen der Erinnerungskultur.
Leiter Gedenkstättenreferat der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin.

15.15 – 15.30     Pause

15.30 Diskussion und Debatte: Erinnern heute – und morgen?
•    Dr. Thomas Lutz,
•    Dieter Burgard, Vorsitzender der LAG Rheinland-Pfalz
•    Dr. Walter Rummel Leiter des Landesarchivs Speyer
•    Marion Tauschwitz, Schriftstellerin
•    Dr. Christoph Picker, Leiter ev. Akademie der Pfalz
Moderation: Johannes Graßl, AK Ludwigshafen setzt Stolpersteine

16.30 Workshops
•    Spurensuche in der eigenen Familie – Doris Diamant Siebert zu Max Diamant
•    „The little suitcase“ – Regionalgeschichte im Film, Judith Rhodes, Tochter einer Ludwigshafener Überlebenden, (in englischer Sprache)
•    Wie mache ich eine Stolpersteine-App? Ein Audio- und Medienprojekt von Schüler/innen des Staatl. Pfalz-Kollegs - Steffen Griesinger, medien+bildung.com
•    Abrahamsschule – ein Pokal fordert Verantwortung!
Anke Lind, IGS Ernst-Bloch
•    Recherche im Archiv – Dr. Stefan Mörz, Leiter des Stadtarchivs Ludwigshafen

18.00 Abschlussrunde / Ende

18.30 Ausstellungseröffnung:
Stolpersteine – Was geht mich dieses Schicksal an?
… weil eine Zahl keinen Namen hat!
Ausstellung im Rahmen des Begleitprogrammes zur Eröffnung der bundesweiten Woche der Brüderlichkeit in Ludwigshafen
In Kooperation mit SWR 2 / Hörstolpersteine

19.00 Lesung Marion Tauschwitz
Selma Merbaum - Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu schreiben.
Biografie und Gedichte.

Selma Merbaum starb 1942, achtzehn Jahre alt, als verfolgte Jüdin in dem deutschen Zwangsarbeitslager Michailowka in der Ukraine. Sie konnte gerade einmal 57 Gedichte handschriftlich hinterlassen, die sie zu ihrem einzigen erhaltenen Band »Blütenlese« zusammenstellte, dem sie als letzten Satz anfügte: »Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu schreiben …« Diese Gedichte überstanden den Krieg auf abenteuerliche Weise.

Zum Leben der Dichterin Selma Merbaum aus Czernowitz war bisher so gut wie nichts bekannt. Die Autorin Marion Tauschwitz hat in jahrelanger Forschung Daten, Ereignisse und Fakten über die junge Künstlerin gesammelt und eine spannende, einfühlsame Biografie geschrieben.