Web 2.0 in der Schule - Studierende der Universität Koblenz-Landau entwickeln Einsatzmöglichkeiten von Social-Media-Anwendungen für den Schulunterricht.

„Social Media“ wie Blogs, Wikis und Medienportale sind der Kern des „Web 2.0“, das von der Eigenaktivität des Nutzers – dem Prinzip des „user generated content“ – lebt. Es bietet sich für den eigenständigen Wissenserwerb von Schüler/innen geradezu an, Werkzeuge des Web 2.0 zu benutzen, doch das geschieht im deutschen Schulunterricht bisher nur vereinzelt. Um der Frage nachzugehen, ob und wie sich Internet-Tools sinnvoll und gewinnbringend in den Unterricht einbinden lassen, haben Studierende an der Universität Koblenz-Landau unter Anleitung des Dozenten Björn Friedrich (medien+bildung.com) das Web 2.0 genauer unter die Lupe genommen und adäquate Konzepte entwickelt. Die Ergebnisse sind unter www.medienarbeit.wordpress-und-bildung.de dokumentiert. 

Die bisher geringe Nutzung des Web 2.0 im schulischen Kontext beruht u. a. auf der Einstellung vieler Lehrkräfte, die im Einsatz derartiger medialer Anwendungen keinen Mehrwert erkennen und die umfangreiche Internetnutzung im Privatleben der Jugendlichen für mehr als ausreichend halten. medien+bildung.com kooperiert bereits seit vielen Jahren mit der Universität Koblenz-Landau und führt dort regelmäßig Seminare zum Thema „Medienarbeit in der Schule“ durch. Bislang wurde schwerpunktmäßig die Audio- und Video-Arbeit thematisiert, nun widmete sich erstmals ein Seminar dem Thema „Web 2.0 / Social Media“. 

Unter der Leitung des Medienpädagogen Björn Friedrich beteiligten sich 16 Studierende des 2. bis 4. Fachsemesters „Bachelor of Education“, Schwerpunkt Lehramt, an diesem Seminar. Die angehenden Lehrer/innen widmeten sich der Fragestellung, wie sich die Mediennutzungsgewohnheiten der Jugendlichen mit einer methodisch und didaktisch sinnvollen Unterrichtsplanung kombinieren lassen. Das Ziel war, Unterrichtsszenarien zu entwickeln, in denen Social-Media-Anwendungen zum Einsatz kommen, ohne jedoch den Medieneinsatz in den Vordergrund zu stellen. Die Medien sollten überzeugend in den Lernprozess eingebunden sein, um für die Behandlung des Unterrichtsstoffes einen Mehrwert zu generieren. 

In Kleingruppen erarbeiteten die Studierenden fünf Projektkonzepte und stellten dazugehörige Angebote ins Netz, die mit „Musterlösungen“ gefüllt wurden, um einen Eindruck von der Umsetzung der Idee zu erhalten. Folgende Konzepte wurden ausgearbeitet: 

•    Begleitend zum Ethikunterricht einer 10. Gymnasialklasse wurde ein Weblog eingerichtet, in dem die Schüler/innen sich mit dem Thema „Weltgeschehen und Moral“ auseinandersetzen. Sie nehmen durch Abstimmungen Einfluss auf die Unterrichtsschwerpunkte und beteiligen sich in Form von Diskussionen, Mindmaps, eigenen Videos und Rätseln am Unterrichts-Blog. 
•    Zum Thema „Atomkraft oder erneuerbare Energien?“ wurde ein Konzept für den Gemeinschaftskundeunterricht in der Klassenstufe 10 eines Gymnasiums vorgelegt. Hierfür wurde ein eLearning-Kurs entwickelt, der u. a. ein Diskussionsforum, ein eigenes Klassen-Wiki sowie einen Podcast für Interviews der Schüler/innen beinhaltet.
•    Um mit Grundschülern einer 3. Klasse im Fach Sachkunde das Thema „Zahnpflege“ zu behandeln wurde eine Website entwickelt, auf der die Schüler/innen Aufgaben und Bilderrätsel finden. Zudem sollen die Kinder eigene Fotos zur Zahnpflege knipsen und in einer Online-Fotocommunity einstellen.
•    Eine 9. Englisch-Klasse eines Gymnasiums behandelt das Thema „Child Labour“ mit Unterstützung eines eLearning-Kurses. Dort werden in einem Audio- und einem Text-Blog Aufgaben zu „Kinderarbeit“ bearbeitet, ein Wiki sammelt alle Informationen und wird im Laufe des Schuljahres zu einem ständig wachsenden Wissensnetz ausgebaut.
•    Eine Klassenfahrt nach London wird von einer Realschul-Klasse der Stufe 10 online vorbereitet und dokumentiert. Im Vorfeld füllen die Jugendlichen in Gruppenarbeit die Seite mit Inhalten zu verschiedenen Themen wie „Sport“, „Musik“ und „Sehenswürdigkeiten“. Eindrücke von der Klassenfahrt werden in einem Weblog mit Fotos und Videos dokumentiert und in einem virtuellen Stadtplan lokalisiert. 

Die ausführlichen Konzepte der Arbeitsgruppen sind online nachzulesen unter www.medienarbeit.wordpress-und-bildung.de , hier finden sich auch die Links zu den realisierten Beispielergebnissen der Gruppen. Das Seminar „Medienarbeit in der Schule mit Social Media“ wird im kommenden Wintersemester erneut durchgeführt, um weitere Unterrichtsszenarien unter Berücksichtigung aktueller medialer Entwicklungen zu konzipieren.