Handy-Wissen: Die Geschichte des Mobilfunks

Zugfunk und das „Fräulein vom Amt“

In seinen Anfängen wurde das mobile Telefonieren in Deutschland primär als zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit in Fahrzeugen eingesetzt. Im Jahr 1918 führte die Deutsche Reichsbahn im Raum Berlin Versuche mit Funktelefongesprächen aus fahrenden Zügen durch. Bereits acht Jahre später konnten die Bahnreisenden der 1. Klasse diesen Funktelefondienst in den Zügen auf der Strecke Berlin-Hamburg nutzen.
Die notwendige technische Infrastruktur für den Mobilfunk konnte 1958 mit der Entwicklung des A-Netzes durch die Deutsche Bundespost geschaffen werden. Für rund 10.500 Teilnehmer wurden etwa 600 Vermittlungskräfte bereitgestellt, da der Selbstwahlbetrieb noch nicht möglich war. Jedoch waren die Telefone von bis zu 16 Kilogramm nur eingeschränkt „mobil“. Bei einem Durchschnittseinkommen von ca. 6000 DM im Jahr 1960 waren die bis zu 15.000 DM teuren Funktelefone nur für die wenigsten Deutschen erschwinglich.

Als das „Handy“ noch 6 kg wog

Durch die Entwicklung des B- und C-Netzes konnten immer mehr Mobilfunknutzer gewonnen werden. Im C-Netz waren die Teilnehmer im gesamten Bundesgebiet unter einer Rufnummer erreichbar. Vorher war eine Regional-Vorwahl notwendig. Gleichzeitig wurden die Funktelefone durch die Neuerungen in der Halbleitertechnik immer leistungsfähiger. 1990 entwickelte Siemens das „C4 portable“, welches nur noch 0,6 Kilogramm wog. Zwei Jahre zuvor hatte das Modell „C2 portable“ von Siemens noch ein Gewicht von 6,5 Kilogramm. 
Mit der Entwicklung der digitalen Funktelefonnetze wurde der breiten Bevölkerung in den 90er Jahren der Zugang zur mobilen Kommunikation ermöglicht. Die Mobiltelefone wurden immer kleiner und handlicher. Nun beschränkte sich die Kommunikation nicht mehr auf die auditiven Signale, sondern wurde durch die Entwicklung des D- und E-Netzes mehrdienstfähig. Durch diese Funktionserweiterung konnten neben der Sprachübermittlung auch weitere Daten wie Texte übertragen werden. Damit war der Weg für die Kurzmitteilungen (SMS) geebnet. 2008 nutzten die Deutschen 30 Mrd. mal diesen Dienst. Zudem konnte durch die Verwendung des GSM-Standards die Roaming- Fähigkeit ausgebaut werden. Deswegen war es möglich, nahezu weltweit Anrufe empfangen und tätigen zu können.  

Digital und breitbandig: Handys für alle und für alles?

Seit 2004 verbreitet sich zunehmend das UMTS-Netz, welches durch die Nutzung der Breitbandtechnik deutlich höhere Übertragungsraten erzielt. So ist es beispielsweise möglich, während des Gesprächs gleichzeitig im Internet zu surfen. Durch diese schnellere Datenübertragung kommen Anwendungsfelder wie Videokonferenzen und Fernsehen hinzu.

Die Entwicklung des Mobilfunks schreitet seit der Digitalisierung der Netze rasant voran. Im Jahr 2006 wurde mit 84 Millionen Mobilfunknutzern erstmalig die 100-Prozentmarke in Deutschland überschritten. Dieser Handy-Boom wird auch in der jährlichen Erhebung über „Jugend, Information, (Multi-) Media“ (JIM) bestätigt. Während 1998 nur 8% der12-18 Jährigen über ein Handy verfügten, waren es laut der JIM-Studie 2008 bereits 95%.

Riegel, Klappmesser, Touchphones

Im Jahr 2008 teilten sich 80% des weltweiten Mobilfunkmarkts fünf Hersteller. Den höchsten Marktanteil weltweit im Jahr 2008 besitzt Nokia mit ca. 40%.  Die Anzahl der Handys auf dem Markt ist kaum noch überschaubar. Jedoch lassen sich die meisten Geräte  in eine der folgenden Bauarten einordnen:

  • Riegel Handys (auch Candy-Bar):  Dies ist die klassische Bauweise. Diese Form ähnelt ein wenig einem Schokoriegel, daher wird diese Form im englischen auch als Candy-Bar bezeichnet.
  • Klapphandy (Folder): Wie der Name es schon verrät, lassen sich diese Handys auf-und zuklappen. Dadurch wird Platz gespart und gleichzeitig der Bildschirm und die Tastatur vor Verschmutzungen und Kratzern geschützt. Für Kurzinformationen besitzen die meisten Klapphandys noch einen kleinen Bildschirm auf der Oberseite. Eine besondere Form des Klapphandys ist die „Swivel“-Bauweise. Diese Handys haben zusätzlich zu den genannten Merkmalen noch einen drehbaren Bildschirm.
  • Klappmesser Handy (Jack-Knife): Bei dieser Bauweise ist das Handy, ähnlich wie beim Klapphandy, in eine Bildschirmebene  und eine Tastaturebene unterteilt. Im Gegensatz zum Klapphandy ist der Bildschirm beim Jack-Knife-Handy nach außen hin sichtbar und die Tastaturschicht lässt sich durch horizontales Drehen in Erscheinung bringen.
  • Schiebehandy (Slider): Äußerlich ist diese Bauart kaum von einem Klappmesser-Handy zu unterscheiden, da bei dieser Bauweise auch nur das Display sichtbar ist. Die Tastatur tritt aber in Erscheinung, wenn das Display nach oben geschoben wird.
  • Touch Phone: Diese Handys verfügen über ein Touchscreen-Display, das mit Hilfe eines Stiftes oder mit den Fingern bedient wird. Durch diese Funktion wird die Tastatur meist intern integriert. Seit Erscheinen des iPhone von Apple gewinnt diese Bauweise immer mehr an Attraktivität.
  • Armbandhandy: Zu den kleinsten Handys gehören die Handy-Uhren. Über ein mitgeliefertes Headset soll das Telefonieren ermöglicht werden. Die Bedienung des Menüs ist durch das eingebaute Touch-Screen möglich. Ob sich diese Bauart durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Diese Kategorien sind nicht als endgültig anzusehen. Die rasante Weiterentwicklung in dieser Branche wird den Nutzern immer wieder neue Modelle mit umfangreicheren Funktionen anbieten.