Ich-Stärke entwickeln mit Medien

Von: Christine Zinn

Mit einem eigens entwickelten Konzept arbeitet medien+bildung.com im Schulprojekt "Keine(r) ohne Abschluss" mit.

Ausgerüstet mit Foto- und Filmtechnik beleben Medienpädagogin Christine Zinn und FSJ`lerin Jessika Losing (medien+bildung.com) derzeit das rheinland-pfälzische Schulprojekt "Keine(r) ohne Abschluss" (kurz KoA) an der Realschule plus in Ramstein-Miesenbach.

Am ersten Tag des Projekts trafen Sie auf 11 Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss, die aber nach der neunten Klasse nun die Möglichkeit haben durch zusätzliche Förderung die Berufsreife zu erwerben. Schwerpunkte in ihrem besonderen zehnten Schuljahr sind ein hoher praxisorientierter Wochenablauf dank der Unterstützung regionaler Betriebe und sozialer Einrichtungen. Außerdem soll während des Jahres dafür gesorgt werden, dass die Schüler/innen an Ich-Stärke dazu gewinnen. Das bedeutet sie bekommen neben den fachlichen Kompetenzaneignungen die Chance ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln und so zu mehr Selbstvertrauen zu gelangen. U.a. durch besondere Tage an denen externe Referenten ihr Knowhow mitbringen und die Schüler/innen möglichst selbst aktiv werden können. Zum Start des Medienprojekts mit Unterstützung von medien+bildung.com konnten die15- bis 17-jährigen in ca. 30 minütigen Phasen selbst fotografieren, Interviews führen und kurze Videoclips drehen, die je anschließend gemeinsam besprochen wurden. Somit gestalteten Jessika Losing und Christine Zinn den Projekttag abwechslungsreich und schüleraktivierend.

Nach einer kurzen Mediennutzungungsselbstreflektionsphase durch verschiedenen Methoden, hieß der erste Arbeitsauftrag: „Portraitbilder gestalten“. Die Jugendlichen sollten je ein Bild erstellen bei dem sie 1.) sich bei Facebook 2.) sich allein 3.) sich unter Freunden zeigen sowie 4.) unter dem weiteren Blickwinkel „ich bewerbe mich bei meinem Traumjob“. Um die Außenwirkung der eigenen Selbstdarstellung zu überprüfen wurden alle Fotos in der gesamten Gruppe gesichtet und passende Gefühle zu den Bildern zugeordnet. Durch das Feedback der Gruppe ergab sich eine Diskussion über Körperhaltung, Gestik und Mimik. Zum Abschluss bekamen die Jugendlichen einen Leitfaden mit Tipps +Tricks zum „perfekten Bewerbungsbild“.
Worauf ist zu achten, wenn ich mich vorstelle ohne, dass mich jemand sieht, war die Überschrift des 2. Parts. Die Jugendlichen erstellten selbstständig auditive Kurzportraits. In der Interviewform berichteten sie sich gegenseitig etwas über ihre Herkunft und von ihren Vorlieben. Im Anschluss wurden die Aufnahmen gemeinsam angehört und die Selbstwahrnehmung überprüft. Wie bereite ich mich auf ein Interview vor, welche Notizen sind sinnvoll und das Üben des Sprechens in ganzen Sätzen förderte ganz nebenbei ihre Kommunikationskompetenz.

Den Abschluss bildete die Methode „Stärkenvideo“. Hierbei ging es darum, dass die Schüler/innen Stärken des anderen sammeln, notieren und in die Kamera sprechen. So entstanden u.a. folgende Statements: „Marcel ist teamfähig, mit dem kann man Spaß haben.“; „Die Lisa kann gute Ratschläge geben und hilft mir bei Problemen.“ Über den anderen etwas zu berichten, fiel den Schülern leichter, als von ihren eigenen Vorlieben zu sprechen.

Interessanterweise entwickelten einige der Schüler/innen gemäß ihres zu Beginn des Tages erläuterten TV-Konsums beim auditiven Kurzportrait sowie auch beim Videodreh kurze Reality-Show-Szenen in denen sie in selbst erfundene Charaktere schlüpften aus denen heraus sie gemäß der Aufgabenstellung von sich und über ihre Mitschüler berichteten. Beim Hören und Sichten der Eigenproduktionen konnte so außer dem Blick auf die Fremdwahrnehmung auch auf Rollenverständnisse und Klischees eingegangen werden. Die Schüler/innen erläuterten selbst, dass es Ihnen leichter fiel aus einer anderen Rolle heraus über sich oder andere zu sprechen und sie deshalb z.B. ihre Stimme verstellten oder eine bestimmte Wortwahl nutzten.  

Zum Ende meldete der Großteil der Schüler in einer kurzen verbalen Feedbackrunde zurück, dass der Tag Ihnen gefallen habe. Inwieweit sie ihre gewonnenen Stärken in ihren Alltag integrieren können, bleibt abzuwarten. Für die beiden Referentinnen von medien+bildung.com war eine Erkenntnis dieses 1. Projekttages dass die Schüler/innengruppe der KoA-Klasse der RS+ Ramstein-Miesenbach teamfähig, neugierig und kreativ sind.