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Nach einem Schuljahr Projektpraxis wurden die mitarbeitenden Lehrer/innen befragt. Als Beispiel hier Auszüge aus den Antworten von Jürgen Schlosser / BBS Frankenthal:

Herr Schlosser, was nehmen Sie als Pädagoge aus dem Projekt mit?

Medienarbeit im Unterricht, ob als integrierter Lernbaustein, als methodisches Mittel, als Projekt ist dringend erforderlich, weil im heutigen Informationszeitalter beruflich wie privat Medien uns alle umfassend begleiten, unterstützen, aber auch ablenken und manipulieren.

Die Einsatzfähigkeit im Unterricht - zumindest in Klassen des BVJ - ist unheimlich vielfältig. Es braucht allerdings eine Zeit, um sich in der eigenen Kreativität durch typische didaktische und methodische Lernstrukturen der Unterrichtsplanung nicht einschränken zu lassen, sondern diese durch Unterrichtseinheiten wie sie im Projekt durchgeführt wurden zu ergänzen.

Das Projekt hat sozusagen bei mir eine größere didaktische Flexibilität erzeugt. Auch typische "Ängste" nach dem Motto "ob das klappt?", "werden die Schüler das schaffen?" haben mich zwar immer irgendwie begleitet, wurden allerdings geringer. Die Lust die Medienarbeit auszubauen ist angeregt.

Dabei war es ehrlich gesagt sehr wichtig den Humor nicht zu verlieren und nicht nach Projekttagen an denen es nicht gut lief zu verzweifeln. In solchen Situationen musste ich lernen den Projektunterricht nicht mit "normalen" Berufsbezogenen Unterricht abzugleichen und abzuwägen. Letztlich bringt dies im laufenden Prozess gar nichts. Für wichtiger halte ich es die erstellten Ergebnisse zu nutzen, um Schüler und Lernbegleiter weiter zu motivieren, darauf hinzuweisen, dass man zusammen bzw. die Schüler auch durch "Täler" gehen mussten, aber es trotzdem geschafft haben.

Anzumerken ist auch die veränderte Lernsituation zwischen Schüler und Lehrer. Als Lehrer gerät man zunehmend in die Rolle des Beraters, des Arrangeurs, den die Arbeit der Schüler unterstützt. Positiv ist hierbei, dass man über die Medienarbeit viel mehr Anknüpfungspunkte mit den Schülern findet und von diesen auch anders wahrgenommen wird. Auch wenn die Schüler hauptsächlich die Projektarbeit leisten sollten, geht ohne den Lehrer doch nichts, weil ich wie auch Sascha Hartmann helfen mussten, wenn etwas nicht klappte. Man arbeitet zusammen.

Die Schüler erhalten eine Wertschätzung für das Arbeiten mit den Medien, der Lehrer erhält bestenfalls auch eine andere Wertschätzung von den Schülern, wenn er hilfreiche Impulse, Hilfestellungen anbietet. Mit "bestenfalls" wird deutlich, dass dies auch ins Negative umgekehrt werden kann. Eine Hilfestellung, die nicht gegeben werden kann, erzeugt bei den Schülern Frust. Sie sind genervt und neigen dazu später nicht weiterzuarbeiten.

Die Anzahl der Schüler bzw. der Lehrkräfte hat hier eine große Bedeutung. Ab einem Verhältnis von ca. 6-8 Schülern pro Lehrer werden viele Übungen in der Praxis problematisch. Mit Hilfe des „Teamteachings“ kann wesentlich besser agiert werden. Gerade bei einem qualitativ und quantitativ hohen Medieneinsatz kann auf technische, programmspezifische, oder strukturelle Lernhürden einfacher reagiert werden. Auch der typische Fall, dass ein einfaches Kabel fehlt und vom Lehrer geholt werden muss, kann hierbei flexibel gelöst werden, ohne die Aufsicht zu verletzen. (Dieser Fall trat übrigens öfter ein, als ich dachte!) Dies gilt insbesondere am Anfang einer Projektübung und am Ende zur Fertigstellung einer Übung. Andere positive Nebeneffekt des Teamteachings waren unter anderem: Unterschiedliche Lehrertypen erreichen mehr Schüler, in Krisensituationen mit einzelnen Schülern oder Gruppen wird ein akutes Eingreifen z.B. durch vertiefende Gespräche ermöglichst, ohne dass die anderen Schüler zu wenig betreut werden.

Welche Entwicklungen beobachten Sie an den Schüler/innen?

Die Schüler haben von Anfang an das Projekt gut angenommen und eine hohe Motivation gezeigt. Die Wertschätzung die den Schülern durch die Teilnahme an einem Medienprojekt entgegengebracht wurde zeigte sich am Verhalten. Sie verlangten regelmäßig nach der Projektarbeit, waren allerdings auch enttäuscht, wenn diese einmal ausfiel.

Die Motivation drei Stunden "normalen" Unterricht zu erleben war an diesen Tagen aufgrund der gesteigerten Erwartungshaltung entsprechend gering. Die Schüler verspürten, dass während des Projektes eine andere Art der Unterrichtsführung gegeben war. Sie veränderten die Sitzhaltung und vergaßen die eine oder andere Regel, die im Unterricht gelten, immer wieder. (Keine Kopfbedeckung, Füße auf Stühle hochlegen, Rederegeln)

Insbesondere schwierig zeigte sich an manchen Tagen, dass die Thematik der Projektübung zu erhöhtem Störverhalten führte (anderen ins Wort fallen, nicht ausreden lassen, laute Privatgespräche führen). Während der Arbeitsphasen waren Gespräche natürlich weniger negativ, ja sogar im Rahmen von Auseinandersetzungen in der Gruppe oft hilfreich.

Problematisch wurde dies hauptsächlich, wenn zwischendrin oder zu Beginn einer Übung im klassischen Lehrer-Schüler Gespräch Regeln, Vorgehensweise usw. besprochen werden mussten. Es zeigte sich, dass am Anfang der Übung mit wenig Aufmerksamkeit die Vorgehensweise in der Übung aufgenommen wurde, was dazu führte, dass einige Erarbeitungen wiederholt werden mussten. (Unsere Reaktion: Vorgehensweise intensivieren, Plan schriftlich erarbeiten und dokumentieren = Fahrplan)

Ein Vergleich mit dem klassischen Fachunterricht ist schwer, doch kann man festhalten: Die Schüler mussten an einigen Tagen immer wieder auf die Regeln hingewiesen werden, dies wurde auch gesondert thematisiert. In den Arbeitsphasen hingegen war das Verhalten im Schnitt recht gut. Zur Erinnerung: Die medientechnische Ausstattung wurde recht pfleglich behandelt!

In der Klasse tat sich mit der Zeit einiges. Hierarchien wurden zum Teil aufgebrochen. Einige Schüler die im Unterricht sehr zurückhalten waren haben sich im Projekt über normale Verhältnisse gesteigert und Verantwortung übernommen. Dies wäre in Berufsbezogenen Unterricht nicht denkbar gewesen.