Auszug aus dem Evaluations-Zwischenbericht

von Prof. Dr. Norbert Neumann
Universität Koblenz-Landau, Institut für Pädagogik, Campus Koblenz

Kap. 4. Ergebnisse und Perspektiven
4.1 Zusammenfassende Thesen

1. Das Konzept des Projekts entspricht auf allen Ebenen dem in Rheinland-Pfalz vorgegebenen Bildungsauftrag für das Berufsvorbereitungsjahr. Sowohl die grundlegende Idee einer die Person umfassenden Bildung wie auch die im Lehrplan ausgeführten Kompetenzbereiche werden weitgehend überzeugend erschlossen und in adressatenadäquate Arbeitsformen übersetzt.

2. Der didaktische Grundgedanke, handlungsorientiert und mit schuluntypischen Inhalten und Materialien die vorhandenen Kompetenzen der Jugendlichen hervorzurufen, ist der entscheidende Schlüssel, um diese Jugendlichen zu erreichen. Indem man ressourcenorientiert vorgeht, erhalten Jugendliche einen Freiraum für ihr individuelles Können. Ihnen wird signalisiert, dass man die mitgebrachten Erfahrungen und Fähigkeiten auch im Rahmen schulischen Handelns wertschätzt.

3. Die Erwartung, dass man mittels jugendkultureller Medien den Adressatenkreis erreichen kann, hat sich bestätigt. Die Schülerinnen und Schüler verfügen über eine hohe visuelle Gestaltungskompetenz, viele von ihnen zeichnen sich auch durch medientechnische Fertigkeiten vor allem im Umgang mit dem Laptop aus. Dies ist gleichsam der Nährboden, auf dem sich das Bildungspotential des Projekts entfaltet.

4. Zweifellos ist der Adressatenkreis äußerst heterogen; was bei dem einen gelingt, kann bei einem anderen auf Desinteresse stoßen. Und doch lassen sich insbesondere im sozialen und personalen Kompetenzbereich deutliche Lernfortschritte nachweisen. Alle beteiligten Pädagoginnen und Pädagogen berichten davon, dass ein großer Teil der Schülerinnen und Schüler eine bemerkenswerte Entwicklung insbesondere in den Bereichen Teamfähigkeit, Motivation und Ausdauer durchlaufen haben.

5. Es zeigt sich, dass das Projekt - ohne dies zunächst eingeplant zu haben - ein bemerkenswertes Potential in der Sprachförderung besitzt (Texteinblendungen entwerfen, Dateien und Ordner kennzeichnen, sich mündlich präsentieren, Geschichten visuell erzählen, den Aufbau von Clips erschließen…). In der weiteren Planung sollte die Sprachförderung systematisch mitbedacht werden.

4.2  Perspektiven

1. Der gestufte didaktische Aufbau hat sich bisher bewährt. Im Blick auf zukünftige Berufsfeldanforderungen an die Schülerinnen und Schüler sollten nun auch kontinuierlich das Informieren, Recherchieren und Dokumentieren im Internet erarbeitet werden.

2. Es gelingt dem Projekt, an relevante Themen von Jugendlichen heranzukommen und sie zum Gegenstand von Unterricht zu machen. Zukünftige Aufgabe wird es sein, pädagogische Zugänge und Arbeitsformen zu entwickeln, die die Reflexionsfähigkeit der Jugendlichen fördert, um Jugendliche zu befähigen, Einstellungen, Haltungen und das eigene Handeln angemessen zu bedenken.

3. Immer wieder zeigt sich in Medienprojekten mit Schulen, dass sich die Einstiegsphase als äußerst langwierig und problematisch erweist. Es empfiehlt sich, grundsätzliche strategische Überlegungen für zukünftige Projektrealisierungen anzustellen.

4. Die medientechnischen Fähigkeiten und medienpädagogischen Kenntnisse der beteiligten Lehrerinnen und Lehrer divergieren z. T. erheblich. Hier gilt es, geeignete Fortbildungsmaßnahmen vorzusehen und insbesondere ein Mentorenmodell zu entwickeln und zu erproben, damit auch nach Rückzug des Medienpädagogen die Projektidee in den jeweiligen Schulen fortgeführt werden kann.