Vom Film zum Workshop zum Plakat

Die Pestalozzi-Hauptschule in Ludwigshafen ist die größte Hauptschule der Stadt und eine der „buntesten“ Schulen in Rheinland-Pfalz. Mario di Carlo, Dokumentarfilmer und Medienpädagoge bei medien+bildung.com, war mit seinem Workshop „Ludwigshafen – meine Stadt“ vor Ort.

Zum ersten Workshop-Nachmittag am 2.  März 2010 waren Schüler/innen aus der 8. Klasse und der Konrektor Daniel Kirschner da. 10 von 12 Schüler/innen hatten Migrationshintergrund.  Alle hatten den Film „Ludwigshafen – meine  Stadt“ am 19. Januar im Stadtmuseum gesehen, für die meisten war  er noch sehr präsent. Zur Einstimmung zeigte ich noch einmal einzelne Kapitel daraus.
Wir diskutierten über die Migrationserfahrung jedes Einzelnen - darüber, ob die Eltern/Großeltern über ihre Migration gesprochen haben; über Traditionen, die beibehalten und gepflegt werden, über den eigenen Bezug zu Ludwigshafen und wo für Jeden Heimat ist. Außerdem machten wir den „Pfälzertest“.

Als Einstieg wählte ich nicht die klassische Vorstellungsrunde, sondern gab den Schüler/innen zwei Fragen aus dem Film, mit denen sie sich jeweils paarweise gegenseitig vorstellten: „Welchen Bezug hast du zu Ludwigshafen?“ und „Welche Traditionen werden bei euch Zuhause gepflegt?“ In der anschließenden Diskussion betonten die meisten, dass bei ihnen zu Hause über das Thema Migration gesprochen wird, konnten aber oft nicht genau sagen, warum die Eltern/Großeltern in Ludwighafen gelandet waren. Die häufigste Antwort war: „Weil schon andere Verwandte da waren.“ So erzählte ich Ihnen von den Ursprüngen der Arbeitsmigration, von den Anwerbeverträgen usw.

Als gelebte Tradition wurde häufig das Thema Religion genannt, obwohl das Thema im Film nicht angesprochen wird. Ihre eigenen Eltern/Großeltern würden die Schüler/innen als religiöser bezeichnen als sich selbst. Trotzdem betonten viele, dass Religion für sie ein wichtiges Unterscheidungskriterium sei. Viele sprachen von zwei Heimaten, obwohl sie hier geboren und aufgewachsen sind. Der „Pfälzertest“ hat allen viel Spaß gemacht. Die allerwenigsten konnten die Worte richtig aussprechen bzw. die deutsche Übersetzung nennen.

Der zweite Termin fand wegen terminlicher Schwierigkeiten erst am 23. März statt. Bei diesem Treffen waren nur 8 Schüler/innen dabei; alles Migranten/innen außer einem Mädchen. Die „Hausaufgabe“, Fotos zum Thema Migration mitzubringen, hatten Alle vergessen. Der Eine oder die Andere hatte sich mit den Eltern über das Thema unterhalten. Zu Beginn erklärte ich mein Ziel, am Ende des Tages ein gemeinsames Plakat zum Thema „Ludwigshafen – meine Stadt“ zu gestalten.

Zu Beginn unterhielten wir uns über die Herkunft der eigenen Eltern/Großeltern. Hierbei diskutierten alle lebhaft mit, auch der anwesende Konrektor und unsere Praktikantin Kristina (die Schüler/innen verlangten immer wieder, dass auch wir berichteten). Danach haben wir uns über die Herkunft/Bedeutung unserer Vornamen unterhalten, was ebenfalls sehr interessant und ergiebig war.

Daraufhin erklärte ich den Schüler/innen die Elemente, die auf das Plakat sollten:
1. Ein Foto und ein Statement zu Ludwigshafen
2. Gegenstände für den Koffer, den ich packen würde, wenn ich auswandern würde (vorher hatte ich mit ihnen darüber gesprochen, dass es hauptsächlich um immaterielle Dinge geht)
3. Meine Geschichte (Name, Eltern, Traditionen)

Die Schüler/innen gestalteten daraufhin jeder für sich ein Blatt, was ihnen unterschiedlich leicht fiel. Niemand wollte aber nur Stichworte aufschreiben. Herr Kirschner und ich werteten dies als Schwierigkeit, die zum Teil doch komplexen Inhalte in Worte fassen zu können. Die Aussagen, die schließlich auf dem Plakat landeten, finde ich sehr interessant.

Abschließend waren die Schüler/innen mit den 2 Nachmittagen sehr zufrieden. Sie fanden es interessant, so viel über ihre Mitschüler/innen zu erfahren. Auch die einzige deutsche Schülerin fand es sehr spannend.