Die Personen im Film

Silva Burrini (22.11.1940, Trentino, Italien)
Silva Burrini steckt viel Lebenskraft und Lebenszeit in ihre Wahlheimat Ludwigshafen. Als Sozialarbeiterin im Caritaswerk hat sie einiges dazu beigetragen, die Integrationsarbeit in Ludwigshafen voran zu treiben. Ihr Gedanke war immer, dass die vielen italienischen „Gastarbeiter“ in ihrer Ganzheit, in ihrem Potential und nicht nur als Arbeitskraft gesehen werden sollen. Einige Freunde aus dieser ersten Generation sind in die Heimat zurückgegangen, aber Silva Burrini, mittlerweile pensioniert, blieb in Ludwigshafen, um die Früchte ihrer Arbeit sehen zu können. Als eine Person der ersten Generation fühlt sie sich in Ludwigshafen zwar sehr wohl, aber weiß um ihre italienischen Wurzeln, die nicht in Vergessenheit geraten.
„Die Menschen sind aus Not ausgewandert.“

Mehmet Ali Erten (26.02.1960, Ankara, Türkei)
Der zweifache Vater Mehmet Ali Erten lebt seit 29 Jahren in Deutschland/Ludwigshafen und kennt in Ludwigshafen sprichwörtlich jede Straße, was sich aus seinem Beruf als Fahrschullehrer ableitet. Er ist seit 1997 selbstständig und gründete die erste türkische Fahrschule in Ludwigshafen. Die Ankunft in Deutschland war für ihn keine leichte Zeit, in der er 15kg verlor und seine Freunde vermisste. Doch auch er mobilisierte Kräfte, erlernte mühsam die deutsche Sprache, was er als erste Bedingung für eine gelingende Integration sieht und so schwanden mit der Zeit andere Probleme. Ludwigshafen ist für ihn ein Ort, von dem aus sich der Rest der Welt erkunden lässt, sodass er keinerlei Ambitionen verspürt, dieser neuen Heimat den Rücken zu kehren. Traditionen wie Tee trinken oder Backgammon spielen werden hier genauso innig gepflegt wie in der Türkei.
„Ich wohne gerne in Ludwigshafen und würde gerne weiter in Ludwigshafen leben.“

Higidio Fernandes (12.9.1957 Bafata, Guinea-Bissau)
Der aus Guinea-Bissau stammende Afrikaner kam 1982 nach Deutschland und lebt nun seit 14 Jahren in Ludwigshafen. Er hatte in seinem Heimatland sein Abitur abgeschlossen, dort aber keine weiteren Ausbildungsperspektiven. In seinem afrikanischen Denken und Fühlen verwurzelt, empfand er Deutschland sehr lange als ein ihm fremdes Land und plante nach Guinea-Bissau zurückzugehen, um dort politisch zu agieren. Allerdings lernte er im Laufe der Zeit in Deutschland seine jetzige Ehefrau kennen und aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor. Higidio Fernandes fühlt sich mittlerweile sehr wohl in seiner neuen Heimat, sieht Interesse, Toleranz und Respekt als Bedingungen für eine gelingende Integration und fühlt sich besonders den Menschen in Ludwigshafen-Mundenheim nahe, weil ihn die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen an seine Heimat erinnern. Da er Guinea-Bissau sehr verbunden ist, gründete Herr Fernandes 1996 den „Freundschaftsverein Amizade e.V.“. Diese Hilfsorganisation hat es sich derzeit zur Aufgabe gemacht, Schulen in Guinea-Bissau aufzubauen.
 „Also die Menschen könnte ich dann nicht mitnehmen. Aber Essen aus der Pfalz würde ich dann voll in meinem Koffer haben.“

Kamuran Izi (07.05.1937, Izmir, Türkei)
Kamuran Izi kam 1956 nach Deutschland, um hier ein Ingenieurstudium aufzunehmen. Durch den Deutschunterricht in seiner Schulzeit in der Türkei konnte er von Anfang an auf Sprachkenntnisse zurückgreifen, die er rasch weiter ausbaute. Damals fehlte es in Deutschland noch an einer türkischen „Community“, so dass türkische Zeitungen oder türkische Gastronomie nicht existent waren. Kamuran Izi arbeitete nach seinem Studium sehr lange bei der BASF und führt nun im Pensionsalter seine langjährige Dozententätigkeit der türkischen Sprache in der VHS Ludwigshafen weiter. Mit seiner Familie, zwei Söhnen und deren Familien fühlt er sich in Ludwigshafen beheimatet und möchte die Stadt nicht verlassen, obwohl er auch schon negative Erfahrungen machen musste.
„Deutschland ist meine Wahlheimat.“

Antonios Kirialanis (14.01.1948, Orestiada, Griechenland)
Antonios Kirialanis war 25 Jahre jung, als er 1977 zum Studieren nach Deutschland kam. Wohnhaft in Ludwigshafen, studierte er zuerst BWL, dann jedoch Sozialpädagogik, um seine Beraterfunktion als Mitarbeiter des Diakonischen Werks besser erfüllen zu können. Seit 1990 ist er erster Vorsitzender des Ausländerbeirats der Stadt Ludwigshafen und sieht vor allem in dieser Tätigkeit einen der Gründe, warum er Ludwigshafen als seine Heimat sieht, in der er sich wohl fühlt und einen Platz hat. Das Leben in seiner Wahlheimat Ludwigshafen bezeichnet er als friedlich und ohne Schwierigkeiten, sodass auch der Gedanke, während des Rentenalters zurück nach Griechenland zu gehen, fern liegt, denn hier leben seine Familie, Kinder und Freunde.
„Und dann werden wir genau wie die Schwalben sein – Im Sommer nach Griechenland und im Winter nach Deutschland.“

Aloisia Leto  (16.08.1987, Ludwigshafen)
Aloisia Leto, die Miss Lu aus dem Jahr 2007/08 ist gebürtige Ludwigshafenerin und bewundert ihre Eltern, die damals den Mut aufbrachten, nach Deutschland zu kommen, um hier eine neue Existenz aufzubauen. Die Familie Leto stammt aus Sizilien und erhoffte sich  von dem Neustart in Deutschland vor allem bessere berufliche Aussichten als in ihrer italienischen Heimat. Dass die Integration vollständig gelungen ist, lässt sich anhand des Gesprächs mit Aloisia Leto erkennen. Sie fühlt sich ihrer Heimatstadt fest verbunden, besitzt mittlerweile die doppelte Staatsbürgerschaft und plant ihr Leben mit ihrem Verlobten in Ludwigshafen. Das Modeln bezeichnet sie als nebenberufliche Tätigkeit, aus der die Geschäftsidee einer Laufstegschule erwuchs. Mittlerweile ist sie Mitinhaberin des Modelzentrums in Mannheim und arbeitet hauptberuflich als Bürokauffrau.
„Mein Herz ist hier“

Marina Miresova–Feider (07.01.1968, Morosowsk, Russland)
Marina Miresova-Feider lebt seit 16 Jahren in Deutschland, davon die vergangenen 10 Jahre in Ludwigshafen. Sie entschied sich, nach Deutschland zu gehen, als ihr erster Ehemann zurück versetzt wurde, und beschreibt die erste Zeit in Deutschland für sich und ihre Tochter als sehr schwer. Das Erlernen der Sprache hatte erste Priorität, sodass sie sich nach und nach wohler fühlte und die deutsche Sprache wie eine „Melodie“ empfindet. In Russland erwarb sie ein Diplom als Ingenieurin für Wärmekraftwerke, arbeitet aber hier in Ludwigshafen als Galeristin des Kunsthauses Oggersheim, das sie 2002 gegründet hat und in dem sie vor allem Künstler aus der ehemaligen Sowjetunion präsentiert. Sie bezeichnet sich als „patriotisch“ und möchte Ludwigshafen bereichern. Dies zeigt sich in ihrem Engagement für zahlreiche Kulturprojekte.

www.kunsthaus-oggersheim.de
„Besonders ist hier diese ‚Industrieromantik‘.“

Hasan Özdemir (01.07.1963 Sorgun, Türkei)
Der Lyriker Hasan Özdemir lebt seit 30 Jahren in Deutschland und fühlte sich gleich wohl. Er hatte sein Abitur in der Türkei absolviert und verließ ein Land mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen, in dem politische Zwänge und persönliche Unfreiheit den jungen 16-Jährigen geprägt hatten. Sein Vater war bereits in Deutschland und unterstützte seinen Sohn nach Kräften. Er lernte in einer Privatschule Deutsch, schloss Freundschaften und gewöhnte sich in seiner neuen Heimat ein. Der Rhein, zugleich eine Metapher in seinen literarischen Werken, erzeugt bei ihm ein wohliges Gefühl und repräsentiert das ständige Fließen des Lebens. Hasan Özdemir schuf in Ludwigshafen seinen Lebensmittelpunkt und stellte sich die Frage nach einer Rückkehr irgendwann nicht mehr. Er fühlt sich dieser Stadt verbunden und möchte weiterhin kulturschaffend in Ludwigshafen mitwirken.

Jüngstes Werk „Die sichtbare Stadt“ (12 Kurzgeschichten)
 „Ludwigshafen ist meine Stadt. Deutschland ist meine Heimat.“

Selim Özkan (02.05.1985, Ludwigshafen)
Selim Özkan ist ein weiterer Ludwigshafener der dritten Generation, der hier geboren wurde. Selim Özkan studiert Lehramt mit den Fächern Englisch und Spanisch und ist seit Juni 2009 Stadtrat der SPD in Ludwigshafen. Er hat eine große Bindung an seine Heimatstadt, so dass es ihn auch in keine andere Stadt zieht. Er beschreibt jedoch zugleich seine Zuneigung zu der Türkei, die er auch ohne seinen familiären Hintergrund als ein sehr interessantes und facettenreiches Land empfinden würde. Regelmäßige Urlaube und eine traditionsbewusste Erziehung haben ihn zu einem Träger sowohl der deutschen als auch der türkischen Kultur gemacht. 
„Also ein ‚Ludwigshafenerisch‘ ähnlich dem ‚Mannemerisch‘ gibt es nicht.“

Antonio Priolo (02.03.1955, Messina, Italien)
Der Italiener Antonio Priolo kam als 13-jähriger Junge nach Deutschland und beschreibt die Konflikte eines jungen Heranwachsenden, der nicht nach Deutschland wollte und seine Freunde in der Heimat zurücklassen musste. Erst die positiven Eindrücke im Stadtteil „Hemshof“, die multikulturellen Freundschaften und die wachsende Vertrautheit halfen ihm, sich in Ludwigshafen wohl zu fühlen. Nach vielen Jahren ist er zwar vollständig in die deutsche Gesellschaft integriert, hat aber sein Gefühl für die Heimat nicht verloren und unternimmt jährlich 2-3 Reisen nach Italien. Als Symbole für seine Verwurzelung sieht er seine Familie, seinen Beruf und sein politischen Engagement, da er ein Mensch ist, der gerne Verantwortung übernimmt. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Personaldisponent bei dem Verkehrsunternehmen RNV ist er seit Sommer 2009 der Ortsvorsteher der Nördlichen Innenstadt.
„Ich habe hier mein Leben.“

Mario Di Carlo (Der Regisseur)
Mario Di Carlo wurde als Sohn italienischer Einwanderer 1970 in Mannheim geboren, studierte Politische Wissenschaft, Italianistik, und Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Mannheim und Regie an der Dokumentarfilmschule Zelig in Bozen (Italien). Er ist seit 2001 als freier Regisseur tätig, seit 2007 arbeitet er als Medienpädagoge bei medien+bildung.com.

Dokumentarfilme:

  • Catenaccio in Mannheim (2001)
  • deutschland wäre meine richtige heimat ...(2003)
  • Heimspiel (2009)