Episode Fabeln - Fabeln selber schreiben und verfilmen

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Die Unterrichtsreihe zum Zeitalter der Aufklärung sollte sich laut Lehrplan Deutsch mit Texten beschäftigen, die einen lyrischen oder epischen Hintergrund haben. Die Lehrerin entschied sich daher für das Genre der Fabeln, die zudem noch philosophische Bezüge aufweisen.

Zum Auftakt dieses Abschnitts der Unterrichtsreihe erklärte die Lehrerin den Schülerinnen und Schülern anhand einer Beispielfabel von Äsop „Vom Fuchs und Raben“ den Aufbau dieses Textgenres. Nach einem vorgestellten Lehrsatz (Promythion) folgt die Ausgangssituation der Handlung und eine erste Handlung (actio). Diese wird beantwortet von einer Gegenhandlung (reactio). Handlung und Gegenhandlung können nun öfters wiederholt werden, bis es zu einem Ergebnis kommt (eventus). Abschließend steht ein moralischer Lehrsatz (Epimythion). In vielen Fabeln gibt es entweder einen vorgestellten oder einen abschließenden Lehrsatz.

Im Weiteren bekamen die Schüler nun Texte von Fabeln Äsops, die sie anhand der bekannten Kriterien gliederten und deren Bedeutung für die heutige Zeit sie  diskutierten. Nach diesen systematischen Arbeiten zum Aufbau von Fabeln fanden die Schülerinnen und Schüler sich in kleinen Gruppen zusammen und verfassten selber einige Fabeln. So schrieb eine Gruppe eine Ausgangssituation (actio) als Textdatei auf dem Handy und sendete diese per Bluetooth an eine andere Kleingruppe, die dann passend dazu eine Gegenhandlung (reactio) schrieb. Dieser Text wurde dann wieder zurückgesandt und eine weitere entsprechende Gegenrede (reactio) formuliert. Die fertigen Fabeln bekam die Lehrerin auf ihr Handy geschickt und diese wurden dann von ihr auf dem interaktiven Whiteboard präsentiert und von der Klasse gemeinsam analysiert. Die Schülerinnen und Schüler suchten sich nun die erstellten Fabeln, die ihnen am meisten gefielen und fanden sich wieder in Kleingruppen zusammen, um diese Fabeln dann mit dem Handy zu verfilmen. Zu diesem Zweck erklärte ihnen der Medienpädagoge, wie Elemente der Filmsprache (Einstellungen und Perspektiven) mit der Handy-Videofunktion angewendet werden können. Die fertigen Filme wurden dann vom Medienpädagogen am Whiteboard mit der ganzen Klasse angeschaut und besprochen.

Beispiele der von den Schülern mit dem Handy geschriebenen Fabeln
Die Schülerinnen und Schüler lösten diese Aufgabe in Bezug auf die Anlage der Fabel-Texte recht unterschiedlich. So gab es sehr kurze Fabeln, aber auch einige recht lang geschriebene, mit einem häufigen Wechsel von actio und reactio.
Fabel 1:
Der Faule zum Fleißigen: „Deine Hausaufgaben sind immer ordentlich und richtig. Gönnst du mir einen kurzen Blick hinein?“ „Natürlich gestatte ich dir diesen kurzen Blick! Doch nur als Hilfe soll dir meines dienen!“
Fabel 2:
Die Maus den Käse roch und aus dem Loch kroch. Kam die Schlange herbei und dachte, wie fleißig die Maus sei. Die Schlange sprach geschwind, „Gib her den Käse, mein Kind“. Die Maus gab den Käse her, die Schlange fraß die Maus und noch mehr.
Fabel 3:
Der Hahn stolziert auf seinem Heu und freut sich seines Lebens. Da schleicht sich leise ein Marder herbei und erblickt das Ziel seines Strebens. „Was bist du für ein schöner Hahn, lass dich herab zu mir, damit ich dich von nahem sehen kann.“ Der Hahn fühlt sich geschmeichelt und begibt sich zum Marder herab. „Danke für das Kompliment, einen Blick auf mein schönes Fell will ich dir nicht verwehren!“ Alsbald er auf dem Boden war, er dem Verderben ins Auge sah! Der Marder flink und mit Geschick, den Hahn gebissen ins Genick.

Bei der von den Schülerinnen und Schülern mit dem Handy geschriebenen Fabel 1 gibt es nur einen Wechsel zwischen actio und reactio, während in der zweiten Fabel zweimal ein Wechsel stattfindet und am Ende sogar noch ein Abschluss gefunden wird. Die dritte Fabel kommt dann schon sehr nah an den Aufbau der klassischen Fabel im Stile Äsops. In einer der Fabeln lässt sich auch eine Verbindung der Lebenswelt der Schüler mit der Aufgabe im Unterricht finden, nämlich in der ersten Fabel, in der es um eine alltägliche Situation in der Schule geht, in der ein Schüler sich entweder mit einem anderen vergleichen, oder aber ihn ausnutzen möchte, um seine Hausaufgaben abzuschreiben.

Das Handy wurde in dieser Aufgabe eingesetzt, um die mögliche mobile Umsetzung solch einer Arbeit zu zeigen. Die Gruppen müssen nicht zwingend gemeinsam im Klassenraum nebeneinander sitzen, um eine Fabel fortzuschreiben, sondern können sich auch an anderen Orten befinden. Aus Kostengründen wird aber noch nicht die SMS als Mittel der Übertragung eingesetzt, sondern Bluetooth, mit dem man kostenlos Daten versenden kann.
Über diese Kommunikationsformen, die in der Lebenswelt der Jugendlichen verankert sind, lassen sich nun die Inhalte des Unterrichts transportieren. So werden die Strukturelemente der Fabeln leichter von den Schülerinnen und Schülern verstanden, da sie sich selber in den Rollen wiederfinden. Und die filmische Umsetzung eines selbst verfassten Textes kann dabei zu einem tieferen Verständnis und einem Transfer in die heutige Lebenswelt führen. So führten also die unterschiedlichen Einsatzformen der Handys im Unterricht zu neuen Lern- und Medienkontexten, die den Schülern zeigten, dass sie selber mit Hilfe des Handys in der Lage waren, Wissen zu schaffen und nicht nur fertiges Wissen vom Lehrer übernehmen zu müssen.

Die Verfilmung der Fabeln:
Für die Verfilmung der kurzen Fabeln empfahl sich das Handy, weil es als mobiler Multimediacomputer alle Voraussetzungen mitbringt. So lassen sich Filme schnell aufzeichnen und bei Bedarf an Mitschüler oder wie in unserem Falle an den Lehrer weitergeben. Die Filme wurden dann gemeinsam am interaktiven Whiteboard angesehen und von der ganzen Klasse diskutiert. Die Schülerinnen und Schüler brauchen keine Erklärung, wenn sie die Aufgabe gestellt bekommen, Filme mit dem Handy zu erstellen. Lediglich grundsätzliche filmsprachliche Punkte wurden vom Medienpädagogen vorher angesprochen, etwa welche Rolle verschiedene Einstellungen spielen und was man mit unterschiedlichen Perspektiven beim Zuschauer erreichen kann. Für das Filmen an sich sind die Schülerinnen und Schüler Alltagsexperten, sie filmen sich und ihre Umgebung sehr häufig und sind daher sehr geübt darin. Durch den Einsatz des Handys im Unterricht haben sie so die Möglichkeit, Wissen, das für ihren außerschulischen Alltag von Bedeutung ist, in den Unterricht mit einzubringen und können daher die Schule nach ihren Vorstellungen mitgestalten. Eine höhere Bindung an die angesprochenen Themen ist die Folge. Auch das Verfassen von Texten und das Versenden an Gleichaltrige ist ein Hauptpunkt in der jugendlichen Nutzung des Handys. Gerade für diese Kommunikation untereinander nutzen die Schülerinnen und Schüler ihre mobilen Telefone.
Bei den Fabel-Verfilmungen zeigte sich, dass auch das Handy selbst thematisiert wurde. So bekommt man im nebenstehenden Bild einen Eindruck von einer Fabel, in der es um einen Eisbär und sein neues Handy ging.

Die ausführliche Beschreibung: Fabeln selber schreiben und verfilmen