„Auf Spurensuche nach dem SCH“

Das Projekt „MyMobile – Handy im Unterricht“ wird seit Ende Februar 2010 im Anfangsunterricht der Klasse 1a in der Luitpoldschule Ludwigshafen erprobt. Ziel ist es dabei, das Alltagswissen der Kinder in den Lese- und Schreibunterricht zu integrieren und somit das Handy als Kommunikationsbrücke zwischen dem vorgegebenen Lernstoff der Schule und dem informellen Alltagslernen der Kinder zu nutzen.

„Frau Mayer, wir haben gar nicht gerechnet, dass sie diese Woche noch mal wieder zu uns kommen!“ So begrüßte Faruk, eines von 26 Kindern der Klasse 1a in der Luitpoldschule Ludwigshafen, Katja Mayer bei ihrem zweiten Besuch. Der Kleine war überrascht, aber sichtlich erfreut, dass die Medienpädagogin von medien+bildung.com früher als erwartet mit ihrer Tasche voller Projekthandys in die Klasse kam. Zwei mal die Woche läuft der Unterricht für 90 Minuten etwas anders ab, als es die Kinder sonst gewohnt sind. Dann muss Timo sich immer einen neuen Platz suchen, da sein Tisch für Beamer und Laptop gebraucht wird. Das macht ihm aber überhaupt nichts aus. Gerne stellt er seinen Platz zur Verfügung.

Mit dem Projekt MyMobile geht die Klassenlehrerin Susann Schmidt neue Wege im Lese- und Schreibunterricht. Im Team-Teaching mit Katja Mayer werden die einzelnen Funktionen des Handys benutzt, um den Kindern neue Lernsituationen zu bieten, in denen sie die Bedeutung von Sachverhalten und Ereignissen selbst entwickeln. Ein Beispiel hierzu ist die Übung „Auf Spurensuche nach dem SCH“. Die Aufgabe besteht darin, Dinge zu fotografieren oder mithilfe der Aufnahmefunktion einzusprechen, in denen die Buchstabenkombination „sch“ vorkommt. Dass einem das gesprochene Wort dabei oftmals etwas vorgaukelt, das geschrieben dann ganz anders aussieht, konnten die Kinder dabei sehr anschaulich erfahren. So fotografierten sie neben „Muscheln“ und „Feuerlöschern“ eben auch „Sterne“ und „Stufen“. Eine weitere Übung ist die „Foto-Safari“. Mit der Handykamera ausgerüstet, waren die Schülerinnen und Schüler im Schulhaus sowie auf dem Schulhof und Spielplatz unterwegs und spürten große „Elefantenwörter“ auf. Wann immer ihnen etwas vor die Linse kam, das sich aus mehreren Einzelwörtern zusammensetzte, fotografierten sie es. Das konnte beispielsweise der Schulhof, eine Weltkarte oder die Saftflasche sein. Auch Bildpaare, die zusammen ein langes Wort ergeben, durften aufgenommen werden. Aus einem Stuhl im Klassenzimmer in Kombination mit der Schaukel auf dem Spielplatz wird so ganz schnell ein Schaukelstuhl.

Ein Wort zu finden, das sich aus mehr als zwei Einzelwörtern zusammensetzt, stellte dabei eine ganz besondere Herausforderung dar, die ein Kind bereits im Vorfeld als freiwillige Hausaufgabe gemeistert hatte. Bei einem Wochenendspaziergang fotografierte Timo das Schild der „Abfallwirtschaftsgesellschaft“. Durch diese freiwilligen Hausaufgaben haben die Kinder die Möglichkeit, ihr Expertenwissen aus dem Alltag in die Schule zu integrieren. Auch wenn sie beispielsweise noch nicht alle Buchstaben solcher Wörter kennen, so können sie sie dennoch in einen bestimmten Kontext einordnen, wodurch Lernen, so gesehen, eine Form des Herstellens von Bedeutung in Situationen ist.

Die Kinder gehen stets mit großem Eifer und Interesse auf Sprach-Entdeckungsreise. Noch haben die Wenigsten ein eigenes Handy - gearbeitet wird mit Projekthandys, die von medien+bildung.com zur Verfügung gestellt werden. Doch in ein paar Jahren könnte dies bereits ganz anders aussehen. Für diese Entwicklung möchte das Projekt MyMobile neue Lernkontexte eröffnen und Bausteine entwickeln, die zeigen, wie das Handy im Unterricht zukünftig unterstützend eingesetzt werden kann.