Europa in der Hosentasche - Handyeinsatz im Erdkunde- und Sozialkundeunterricht

Im Rahmen des Projekts „MyMobile“ erkundeten Schüler/innen der Schillerschule Kaiserslautern den Handyeinsatz im Erdkunde- und Sozialkundeunterricht.

Man könnte das Handy als Spicker verwenden oder sich mit der Aufgabenfunktion an Termine und Hausaufgaben erinnern lassen: Das waren erste Antworten der Klasse 9c an der Hauptschule Schillerschule Kaiserslautern auf die Frage nach Einsatzmöglichkeiten des Handys im Unterricht. Am Ende des Projekts fiel das Fazit ungleich vielfältiger aus: Die Schüler/innen hatten Gefallen gefunden am mobilen Internetzugang, an GPS-Exkursionen, an der Ergebnissicherung per Handy-Foto oder -Video sowie an der Möglichkeit, Hausaufgaben per Handy zu erledigen. Während der fünfwöchigen Projektphase waren Chancen, aber auch Grenzen des Handyeinsatzes in der Schule ausgelotet worden.

Das Projekt „MyMobile“ von medien+bildung.com hat es sich zum Ziel gesetzt, den Alltag der Kinder und Jugendlichen mit seiner typischen Medienkultur in die Lernformen der Schule zu integrieren. Während in deutschen Schulen meist ein Verbot von Handys herrscht sollte in diesem Projekt erprobt werden, wie sich das Mobiltelefon konstruktiv in den Unterricht integrieren lässt. Dabei wurde beispielsweise an die technische Funktionsvielfalt gedacht, die sich in Handys findet, zugleich aber auch an Möglichkeit, eine Brücke vom Alltag der Jugendlichen in die Schule zu schlagen und ihr Expertenwissen im Handyumgang produktiv aufzugreifen.

Die Hauptschule Schillerschule in Kaiserslautern ist eine von sechs Schulen in Rheinland-Pfalz, die sich bereit erklärten, an diesem Pilotprojekt teilzunehmen. Schulleiter Georg Lang wählte seine Klasse 9c aus, die das Vorbereitungsjahr auf die 10. Klasse absolviert, um im April/Mai 2010 den Erdkunde- und Sozialkundeunterricht mit Handyeinheiten zu begleiten. Zusammen mit dem Medienpädagogen Björn Friedrich überlegte sich Lang sinnvolle Anknüpfungspunkte des Handys an die aktuellen Unterrichtsinhalte: Im Erdkundeunterricht stand gerade das Thema „Europa“ auf dem Lehrplan, in Sozialkunde beschäftigte sich die Klasse mit Organen zur Herstellung und Durchsetzung von Recht und Ordnung in Deutschland.

Die daraus entstandenen „Episoden mobilen Lernens“ zeigten mannigfaltige Einsatzmöglichkeiten des Handys auf: Zum Einstieg wurden Tipps zum Umgang mit dem Handy als Foto- oder Video-Tutorial realisiert, anschließend fassten die Schüler/innen Rechercheergebnisse zum Thema Europa in Kurzform zusammen und schickten ihrem Lehrer die konzentrierten Inhalte als SMS. Bei einer GPS-Exkursion in der Kaiserslauterer Innenstadt wurden Kleingruppen per GPS-Navigation zu Orten geleitet, die „Recht und Ordnung“ in Kaiserslautern repräsentieren, z.B. zum Rathaus, Polizeipräsidium und Amtsgericht. Für eine Hausaufgabe gingen die Schüler/innen, die zu einem großen Teil über Migrationshintergrund verfügen, auf „Spurensuche im Alltag“, bei der sie zuhause Gegenstände aus ihren Heimatländern wie Bücher, CDs oder Lebensmittel fotografierten, um diese Handybilder der Klasse vorzustellen. Abschließend nutzten die Jugendlichen den Internetzugang der Handys, gingen per WLAN online und durchforsteten Nachrichtenportale nach aktuellen Meldungen aus Europa. Das Projektfazit der einzelnen Schüler/innen wurde ebenfalls über den mobilen Internetzugang in einem eigenen Twitter-Kanal abgegeben.

Am Ende der Projektwochen zogen alle Beteiligten ein positives Fazit: Zwar waren auch Grenzen des Handyeinsatzes deutlich geworden, z.B. die Zeichenbegrenzung bei SMS-Texten oder das kleine Display, das zum Lesen langer Texte nur bedingt geeignet ist. Zugleich war aber bewusst geworden, dass das Handy im Unterricht auch durchaus gewinnbringend eingesetzt werden kann, beispielsweise durch den unkomplizierten WLAN-Zugang zum Internet. Ein Schüler twitterte als Fazit: „Es ist interessant, was man alles mit den Handy im Unterricht machen kann“, ein anderer forderte gar: „Wir müssen das wiederholen!“