Eckpunkte einer Didaktik des mobilen Lernens

Ziel des Handy-Einsatzes in der Schule ist, den Alltag der Kinder und Jugendlichen mit seiner typischen Medienkultur in die Lernformen der Schule zu integrieren. Dazu gehört auch die außerhalb der Schule erworbene Kompetenz im Umgang mit den vernetzten digitalen Medien, die vom Computer bis zum Internet (Medienkonvergenz) reicht. Das Handy soll zudem den Lernerfolg in der Schule mit neuen Lernformen fördern. Neue Lernformen sollen auch Schülerinnen und Schüler mit Distanz zu Schule an den Lernerfolg der Schule heranführen.

1. Warum?
Mobiles Lernen ist die didaktische Antwort auf die veränderte Medien- und Lernkultur vieler Kinder und Jugendlicher

1.1 Die neue dominante Medienkultur des Alltags: individualisiert, mobil und konvergent
Mobiles Lernen ist eine didaktische Antwort auf den aktuellen Individualisierungsschub mit der mobilen und vernetzten Massenkommunikation. Eine spezifische Didaktik mobilen Lernens reagiert auf den aktuellen sozialkulturellen und technologischen Wandel, bei dem das alltägliche Handy den allgegenwärtige und individuellen Zugang zu Kommunikation, Unterhaltung, Konsum, Internet, Medienangeboten oder auch zu Wissensarchiven liefert. Mit dem Einsatz des Handys im Rahmen von Unterricht und curricularem Lernen trägt Schule der immer bedeutsamer werdenden Alltagsfunktion des Handys als Multimediagerät Rechnung. Wichtig sind auch die Funktionen des Handys als Zugangsmedium zum Web 2.0 und zu den verschiedenen sozialkulturellen Milieus.

1.2 Zunehmende Bedeutung informellen Lernens und abnehmende Reichweite schulischen Lernens
Mobiles Lernen ist zudem eine didaktische Antwort auf die wachsende Bedeutung des informellen Lernens und des „Überall-Lernens“ außerhalb der Schule sowie auf die hohe Zahl bildungsferner Risikolerner in der Schule. Gerade für bildungsferne Schülerinnen und Schüler lässt sich mit dem Handy das informelle Lernen ihres Alltags in den Schulunterricht integrieren. Das Handy eröffnet Chancen für die Assimilation von informellem und formalem Lernen, indem es die vielfältigen Themen und unterschiedlichen Erlebnisweisen von Schülerinnen und Schülern einer fragmentierten Gesellschaft  unterstützt. Ziel ist es, den schulischen Lernerfolg zu fördern.

2. Wie?
Die Strukturmerkmale des mobilen Lernens

2.1 Mit dem Handy informelles Lernen in die Schule integrieren
    Das Alltagsmedium Handy bietet die Möglichkeit, informelles Lernen und Wissen des Alltags in die Schule zu einzubinden. Es kann als Schnittstelle zwischen der Kinder- bzw. Jugendkultur und dem gezielten Lernen im Unterricht funktionieren.

2.2 Mit dem Handy Episoden situierten Lernens schaffen
    Das Handy und seine Nutzungsmöglichkeiten bieten neue Formen des situierten Lernens. So lässt sich der vom Lehrer geleiteten Unterricht mit Episoden handygestützter Schüleraktivitäten verbinden. Bildlich formuliert, erweitern die Lernplätze der Schüler (= Episoden des situierten Lernens) die Lernstraße des Lehrers (= Phasen des lehrergeleiteten Lernens)

2.3 Mit dem Handy Lern- und Medienkontexte generieren
    Das Handy ist ein Instrument, mit dem Schüler und Lehrer neue Lernkontexte schaffen. Diese Lernkontexte entstehen an der Schnittstelle der Medienkonvergenz von Internet, Unterhaltungsmedien der Lebenswelt und der Schule. Die mit dem Handy generierten Kontexte sind weit über die Schule hinausgreifende Situationen. In diesen Situationen lernen Schüler, indem sie selber ihr Wissen schaffen können und Wissen nicht nur übernehmen müssen. Handy generierte Kontexte sind Gelegenheiten zum situierten Lernen, die die Lernstraßen der Schule zu Lernplätzen erweitern. Diese Lernplätze verbinden sie mit der vernetzten Medienwelt.

2.4 Mit dem Handy Kommunikationsbrücken schaffen
    Das Handy und seine Nutzungsmöglichkeiten bieten Kommunikationsbrücken zwischen Alltag und Schule. Kommunikationsbrücken sind Verbindungslinien zwischen dem richtigem Leben außerhalb der Schule und dem schulischem Lernen.

2.5 Mit dem Handy die Schülerinnen und Schüler als Experten ihres Alltagslebens in der Schule individuell aktiv werden lassen
    Im Prozess der Individualisierung und Fragmentierung unserer Gesellschaft werden Schülerinnen und Schüler zu vielfältigen Alltagsexperten. Dabei spielt das ständig verfügbare Handy eine wichtige Rolle. Mit der Nutzung des Handys auf den Lernstraßen des geleiteten Lernens und in den Episoden des situierten Lernens (Lernplätze) wird es möglich, die vielfältigen Handlungs- und Lernmuster der Schülerinnen und Schüler auch für den Lernerfolg in der Schule fruchtbar zu machen.

2.6 Mit dem Handy sensible Entwicklungs- und Lernkontexte schaffen
    Die von Nutzern generierten Kontexte der mobilen, individualisierten, konvergenten Medienwelt können und sollen die Persönlichkeitsentwicklung und die Lernentwicklung der Schülerinnen und Schüler unterstützen. Dazu müssen diese Kontexte angemessen sein für die persönlichen Lebensthemen und die jeweilige Entwicklungsphase der Schülerinnen und Schüler.

3. Womit?
Die multimediale Funktionsvielfalt des Handys als mobiler Mini-Computer und Schnittstelle der Medienkonvergenz

Sowohl in der Alltagswelt als auch in der Schule bietet das Handy eine Funktionsvielfalt. Für Lernzwecke eignet sich das Handy als

3.1  allgegenwärtiger mobiler Multimedia-Computer,

3.2  wegen der persönlichen und ständigen Verfügbarkeit,

3.3  der aktiven Medienfunktionen für Video, Foto, Musik,

3.4  den Anwendungen für die Alltagsorganisation wie Kalender, Wecker und Navigation,

3.5  der hohen Speicherkapazität für vielfältige Darstellungsformen,

3.6  des Zugangs zu einer vielfältigen persönlichen Kommunikation (SMS, MMS, Telefon),

3.7  des Zugangs zum Internet mit dessen spezifischer Kommunikation und dessen Informations- und Medienarchiven. (Die Nutzung dieser Archive mit dem Handy ist zurzeit noch begrenzt und mit zum Teil erheblichen Kosten verbunden).

 

Die "Eckpunkte" als pdf: