Der Workshop in Wittlich

Kommunikationsbrücken für ältere Menschen in ländlichen Regionen – mobile Lernszenarien für Ältere in ihrem Alltagsleben

Der Workshop richtete sich an erwachsene Lernende über 50 Jahre, die das offene Angebot des Mehrgenerationenhauses Wittlich bereits nutzen. Die Teilnehmer/innen benötigten keine Vorerfahrungen, aber die Erfahrung zeigt, dass die Teilnehmergruppe sehr heterogen bezogen auf den Umgang und die Ausstattung mit Handys war. Neben Mobiltelefonen, die noch nicht mal über eine Kamera verfügten, hatten manche Teilnehmer/innen auch Smartphones. Auch die Erfahrung im Umgang mit den Handys war sehr unterschiedlich. Einzelne Teilnehmer/innen benutzten ihre Handys im Workshop zum ersten Mal, andere waren sehr erfahren und konnten so in einer Multiplikator-Rolle den Workshop-Leiter unterstützen.

Ziel dieses Workshops war es, dass sich ältere Menschen mit den Funktionen und Potenzialen ihrer Handys vertraut machen. Sie lernten die Möglichkeiten der Geräte kennen, sich anderen mitzuteilen und - über kürzere oder weitere Entfernungen hinweg - Kontakt zu halten. Während die Teilnehmer/innen oft die reine Kommunikation mit einem anderen Partner per Telefon oder auch noch per SMS bereits kannten, hat der Workshop eine Grundlage dafür gelegt, dass die Nutzer/innen auch die Kamera- und Videofunktion beherrschen und diese nutzen, um anderen Menschen persönliche Mitteilungen zu machen oder schöne Erfahrungen und Erlebnisse mitteilen zu können. Gerade in den ländlichen Regionen der Eifel bietet es sich an, Kontakte und Netzwerke mit der Hilfe (mobiler) Medien zu pflegen, da - vor allem auch ältere  - Menschen nicht immer die Gelegenheit haben, sich persönlich zu treffen.

Das vorliegende Szenario wurde dabei in drei Workshops von jeweils zwei Stunden Länge durchgeführt, die jeweils im Abstand von einer Woche stattfanden und durch eine Hausaufgabe ergänzt wurden.

-    Erster Termin vor Ort: Einführung in die Technik. Innerhalb dieser Phase lernten die Teilnehmer/innen die grundlegenden Funktionen ihrer Handys kennen, mit denen im Verlauf des Szenarios gearbeitet wurde. Sie erstellten kurze Bildersequenzen und präsentierten diese der Gruppe, in dem sie die einzelnen Bilder per Bluetooth oder Datenkabel von ihren Handys auf den Computer des Workshop-Leiters luden. Von dort wurden sie per Beamer angezeigt.

-    Hausaufgabe: Das digitale, mobile Tagebuch. Die Teilnehmer/innen erstellten in einer Hausaufgabe kleine Bildergeschichten, die Erlebnisse oder Informationen ihres Alltags abbildeten. Den Erfahreneren stand die Möglichkeit offen, die einzelnen Bilder auf den heimischen Computer zu laden und per Email an den Workshop-Leiter zu senden. In den anderen Fällen wurden sie zu Beginn des zweiten Vor-Ort-Termins auf den Computer des Workshop-Leiters übertragen.

-    Zweiter Termin vor Ort: Bilder im Internet veröffentlichen. Die Teilnehmenden lernten den Webdienst „Picasa“ von Google kennen und übten, wie sie ihre Bilder dort hochladen und veröffentlichen können. Dabei erhielten sie auch einen Einblick in die zu beachtenden datenschutz- und persönlichkeitsrechtlichen Aspekte.

-    Abschlusstermin: Bedeutungsvolle Orte für ältere Menschen in Wittlich und Umgebung. In der vierten Phase suchten die Teilnehmer/innen für sie wichtige Orte oder Einrichtungen in der Umgebung des Mehrgenerationenhauses auf und fotografierten diese. Hierbei zeigte sich, dass es sinnvoll ist, die Bilder möglichst mit einem Smartphone aufzunehmen, das auch GPS-fähig ist. Denn so konnten die Fotos direkt GPS-gestützt mit Geoinformationen verbunden werden. Die Teilnehmenden veröffentlichten diese Bilder auch mit Hilfe von Picasa. Anhand der Geoinformationen wurden sie bei dem Dienst „Google Maps“ Landkarten zugeordnet. So entstand nach und nach ein personalisierter Stadtplan, in diesem Fall ein Stadtplan mit allen, für ältere Menschen wichtigen Informationen in Wittlich.

Ausgangspunkt für dieses Lernszenario war die Tatsache, dass auch unter Älteren die Verbreitung von Handys mittlerweile sehr hoch ist, auch Smartphones werden immer mehr in dieser Altersgruppe genutzt. Gerade die modernen Handys bzw. Smartphones  bieten so viele Funktionen an, die es erlauben, dieses kleine Multimediagerät für viele verschiedene Lern- und Kommunikationssituationen zu nutzen. Neben der aktiven Aufzeichnungs-Funktion von Tönen und Bildern verfügt es gleichzeitig über einen großen Speicher und kann darüber hinaus z.B. auch Geo-Informationen direkt in aufgenommenen Kamera-Fotos speichern. Außerdem ist es möglich, die erstellten Medieninhalte problemlos auf andere Geräte zu übertragen.
Das Erlernen der Fotofunktion in allen seinen Facetten bildete die Grundlage für dieses Lernszenario und damit die Basis für viele mögliche inhaltliche Anwendungsbereiche. Im Mehrgenerationenhaus in Wittlich stand im Fokus, dass die Lernenden als „Experten ihres Alltags“ agieren und kommunizieren. Sie sollten die Erlebnisse bzw. Lokalitäten mit Hilfe des Handys thematisieren, die für sie wichtig sind und mit denen sie sich darstellen wollten. So konnte eine Handy-Fotosequenz zum Fertigen von Kaminholz immer und jederzeit verfügbar aus der Tasche gezogen und anderen gezeigt bzw. per digitaler Übertragung an Interessierte weitergeleitet werden. Oder man konnte Freunden und Angehörigen eine neu entdeckte Eisdiele und ihr vielfältiges Angebot per Bildserie empfehlen.

Hauptmerkmal des mobilen Lernens in diesem Lernszenario war die spielerische Art und Weise, in der die neue Technologie erlernt und erforscht wird.
Die Teilnehmer/innen haben in diesem Szenario folgendes gelernt:
•    Den sicheren Umgang mit der Foto-Kamera und der Videofunktion des Handys
•    Die Übertragung von Ergebnissen vom Handy auf andere Geräte
•    Die Möglichkeit, Wissen, Erfahrungen, Anleitungen aus ihrem Alltag in kurzen, leicht verständlichen Bildersequenzen festzuhalten
•    Das Erstellen von Web-Alben mit Picasa und die Verbindung der Bilder mit Google Maps

Ausgehend davon, dass die meisten Teilnehmer/innen ihr Handy bisher fast nur zum Telefonieren benutzt haben, waren die Anforderungen an sie in diesem Workshop recht kleinschrittig. Neben den grundlegenden Kamerafunktionen Foto und Video stand dabei vor allem die Möglichkeit im Zentrum, die eigenen erstellten Medieninhalte Anderen zur Verfügung zu stellen. Die Umsetzung des Gelernten innerhalb der Präsenzphase wurde dann durch die Wiederholung der einzelnen Schritte im privaten Rahmen – in Form einer Hausaufgabe – weiter vertieft.

Das kleinschrittige Vorgehen des vorliegenden Szenarios orientierte sich stark an den Wünschen und Bedürfnissen der Zielgruppe. Der Workshop-Leiter erklärte die Übungen sehr anschaulich und möglichst nah an die Bedürfnisse und Interessen der älteren Menschen angepasst.

Das beschriebene Szenario wurde im Mehrgenerationenhaus in Wittlich im September und Oktober 2011 getestet. Durch die enge Anbindung an die Einrichtung wurden 17 Teilnehmer/innen erreicht, was für das offene Angebot einer solchen Einrichtung beachtlich ist.

Die Schwierigkeit, mit Teilnehmer/innen, die einen sehr unterschiedlichen Wissenstand bzw. auch eine unterschiedliche technische Ausstattung besitzen zu einem möglichst homogenen Kursablauf zu kommen, konnte durch die Einbindung von erfahreneren Teilnehmer/innen als peer-to-peer-Trainer in den einzelnen Phasen kompensiert werden. Ebenso bestand eine gewisse Fluktuation bei den Teilnehmer/innen, da die regulären Angebote im Mehrgenerationenhaus keine aufeinander aufbauenden Kurselemente kennen und daher keine Verpflichtung zur regelmäßigen Teilnahme besteht.