Der Workshop in Mainz

Mobiles Lernen in Bildungskontexten – Handy für angehenden Pädagoginnen und Pädagogen

Das Szenario richtete sich an junge Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren, die an der Hochschule die pädagogische Befähigung zum/r Ausbilder/in, zum/r Lehrer/in oder für die außerschulische Bildung erwerben.  Die Studierenden verfügten über eine gewisse Grunderfahrung im Umgang mit den medialen Möglichkeiten der Mobiltelefone, daher sah das Szenario keine grundlegende Einführung in die verschiedenen Funktionen der Handys vor.
Die Zusammenarbeit mit der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz ermöglichte eine Einbettung des Szenarios in einen größeren Bildungskontext, im vorliegenden Fall in eine grundlegende Vorlesung zur Medienbildung.

Das Szenario fand in zwei Workshops von zwei Stunden Länge statt, die im Abstand von vier Wochen angeboten wurden. In der Zwischenzeit erstellten die Studierenden eigene Medieninhalte in Kleingruppenarbeit.

Ausgangspunkte dieses Szenarios waren vor allem zwei didaktische Grundansätze der Theorie des mobilen Lernens. Zum einen stellt das überall verfügbare kleine Multimediagerät „Handy“ das persönlichste aller Medien dar, die zur Zeit in Gebrauch sind. Damit eröffnet es gerade für die Selbstausdruckfähigkeit große Möglichkeiten, die sich in Lernkontexten nutzbar machen lassen. Zum anderen bietet ein modernes Mobiltelefon viele multimediale Chancen. Es agiert als ein Mini-Computer, der mit Kamera, Audioaufnahmefunktion und GPS-Empfänger ausgestattet ist und daher ortsungebunden eingesetzt werden kann. So ist auch die Verbindung von schulischen und außerschulischen Lernorten ohne großen Aufwand denkbar. Die grundlegende Idee für diesen Ansatz ist, dass durch die Erprobung neuer Lernformen Lernerfolg erzielt werden kann, auch und gerade bei jungen Menschen, die eine gewisse Distanz zum Lernen und zu Unterricht aufgebaut haben. Das Handy kann als typischer Vertreter einer Medienkultur den Schüler/innen und Auszubildenden helfen, ihre außerhalb des Unterrichts erworbenen Medienfertigkeiten im Unterricht, in der Ausbildung oder in einem Weiterbildungskurs – also im formalen Lernkontext – als Lernressource einzusetzen.

Mit diesem Ansatz sollen sich die Studierenden durch eigene Erprobungen und Entwicklungen vertraut machen. Dies gelang in diesem Szenario, in dem die Studenten/innen Anwendungsbeispiele für mobiles Lernen erarbeiteten, die sich im Fachunterricht, in der Berufsausbildung oder in Qualifizierungskursen einsetzen lassen. Sie entwickelten Methoden, mit denen außerschulische Lernorte für den  schulischen Kontext nutzbar werden  und in denen dem Handy die Funktion des Vermittlers zukommt, der diese beiden Sphären verbindet.

Die Teilnehmer/innen haben in diesem Szenario Folgendes gelernt:
•    Die Grundlagen des mobilen Lernens mit Handys
•    Die Umsetzung von Unterrichtsinhalten in mobile mediale Kontexte
•    Die Erstellung von Medienmodulen für den innovativen und alltagsbezogenen Einsatz von mobilen Medien im Fachunterricht

Nach einem Vortrag, der den Studierenden die Grundlagen des mobilen Lernens anhand von gelungenen Beispielen vorstellte, probierten die Teilnehmer/innen einige Handy-Anwendungen selbst aus. Die Studenten/innen griffen auf ihre eigenen Erfahrungen mit der Erstellung von Medieninhalten durch das Handy zurück und versuchten, diese mit Elementen von konkretem Fachunterricht  zu verbinden und mobile Lernszenarien selbst zu entwickeln.

Das Blended-Learning-Szenario gliederte sich in drei Phasen:
-    Phase 1: Einführung Die erste Phase fand als Präsenzveranstaltung in der Hochschule statt. Hier lernten die Studierenden die Grundlagen des mobilen Lernens mit dem Handy und erfolgreich getestete Methoden des Handy- oder Tableteinsatzes als Lernwerkzeug in  formalisierten Lernkontexten kennen. Darüber hinaus erhielten sie individuelle Arbeitsaufträge, die sie in Phase 2 eigenständig umsetzten.
-    Phase 2: Erstellung von Screencasts Die Studierenden erarbeiteten gemeinsam in kleinen Gruppen eigene mobile Lernszenarien für den Einsatz des Handys in einer beruflichen Ausbildungssituation bzw. im schulischen Fachunterricht. Darüber erstellten sie jeweils einen „Screencast“, ein kleines Lern-Video, das die Bildschirminhalte eines Computers oder Tablet-PCs mit selbst eingesprochenen Audiokommentaren verbindet. Diese Videos reichten dabei von PowerPoint-Präsentationen, die vorgelesen werden bis hin zu voll vertonten Animationen.
-    Phase 3: Präsentation In der zweiten Präsenzphase präsentierten die Studierenden ihre jeweiligen Screencasts und diskutierten ihre Ergebnisse mit den anderen Studierenden. Relevante Änderungsvorschläge wurden u.U. berücksichtigt und in die Screencasts noch eingearbeitet. Die Ergebnisse wurden in der eigenen hochschulinternen digitalen Lernplattform (z.B. Moodle o.ä.) abgelegt. So entsteht ein wachsender Methoden- und Wissenspool, auf den zukünftige Lerngruppen zurückgreifen können.
 
Das Blended-Learning-Szenario mit seiner Aufteilung in Präsenz- und Selbstlernphasen kam der Arbeitsweise der Studierenden entgegen. Ebenso ließen sich so auch Ideen zur Verbindung von außerschulischen (nicht formalen) Lernorten mit einem eher schulischen (formalen) Kontext herstellen, die die Studierenden dann außerhalb der Präsenzzeit aufsuchen konnten.  Dies trägt dem Charakter des mobilen Lernens Rechnung, denn so können die Studierenden selbst die Erfahrung machen, dass das Handy als Kommunikationsbrücke zwischen Alltagslernen und formalisierten Qualifizierungskontexten eine wichtige Lernressource darstellt.
Die Vorgaben an die Studierenden waren absichtlich offen gestaltet, da die einzelnen Gruppen sich oft sehr heterogen bezogen auf ihre fachlichen Hintergründe zusammensetzten.

Das beschriebene Szenario wurde im Mai / Juni 2011 an der Universität Mainz von Maren Risch, Medienpädagogin von medien+bildung.com im Fachbereich Medienpädagogik durchgeführt. Durch die Einbindung in eine grundlegende Vorlesung zur Medienbildung wurde eine große Zahl an Studierenden erreicht. Die erstellten Ergebnisse sind auf der Plattform www.medien-bilden.de abrufbar, unter dem Stichwort „Mediacast“.