Aus der Praxis: Arbeiten mit „Stärken-Comic“

Sich seiner Stärken bewusst werden ist ein sensibler und anspruchsvoller Prozess in der Entwicklung junger Menschen. Die Darstellung von Lebenssituationen in Form eines Comics bietet attraktive und zugleich intuitive Zugänge gerade für Menschen mit Handicap, denn gerade Tablets erleichtern die Arbeit mit diesen Anwendungen sehr. Zum Einstieg und zur Vorbereitung wird zunächst im Unterricht das Thema „meine Stärken – was kann ich gut“ besprochen, erste Selbsteinschätzungen können – wenn gewünscht - in einem individuellen Videointerview festgehalten werden.

1.    Tag: Tablettrainingscamp

Am ersten Tag nehmen alle am „Tablet-Trainingscamp“ teil. Die technischen Voraussetzungen und Zugänge werden getestet, eventuell wird nachjustiert.
Apps und Tablets sind beliebte Medien für jungen Menschen, der technische Umgang kein Hindernis und selbst Unerfahrene werden können sich über geeignete Spiele-Apps Touchscreen und Programmanwendungen schnell aneignen.

2.    Tag: Stärkenplakat

Am zweiten Tag gestalten die Teilnehmenden ohne die Medienpädagog/innen ihre Fotos, die ihre Stärken darstellen. Grundlage bildet ein Stärkenplakat, auf das jede/r seine Einschätzungen schreibt, diese werden von den Mitschüler/innen und Betreuer/innen ergänzt. Das Vorlesen der Ergebnisse vor der ganzen Klasse (warme Dusche) stärkt die Teamatmosphäre und unterstützt die emotionale Entwicklung der Teilnehmer/innen. Der kreative Akt des Fotografierens in der Kleingruppe spiegelt die eigene Einschätzung und die der Mitschüler/innen wieder.

3.    und 4. Tag: Stärken-Comics

Am dritten Tag steht die Produktion der Stärken-Comics mit der Unterstützung von Medienpädagog/innen im Mittelpunkt. Ein weiterer Tag zum Fertigstellen der Medienprodukte und zur Vorbereitung des letzten Tages lässt genügend Zeit für unterschiedliche Lerntempi und Fähigkeiten.

5.    Tag: Stärkenfest

Am letzten Tag werden alle Ergebnisse vorgestellt. Man kann ein „Stärkenfest“ mit Mitschüler/innen, Eltern und/oder Freunden veranstalten. Eine Ausstellung mit den Fotos und der selbstgemachte Mini-Film über das Projekt („Making Of“) einer Schülergruppe werden den Eltern und anderen Gästen präsentiert. In der Nachbereitung kann die Schulklasse eigenständig weitere Comics mit den Themen „meine persönliche Schwächen“ und/oder eine Art Gebrauchsanweisung für das jeweilige Handicap „So kann ich das auch“ erstellen.

Hinweise

Im Tablettrainingscamp erhalten die Schüler/innen Laufzettel für die verschiedenen Lernstationen mit unterschiedlichen App-Tests. Jede App-Station hat eine Notiz zu Schwierigkeitsgrad und idealer Gruppenzusammensetzung (z. B. mit/ohne Betreuer/in). In Peer-to-Peer Moderationen präsentieren die „Experten“ ihren Mitschüler/innen ihre Erfahrungen. So gelingt es ihnen einerseits, ihre individuellen Zugänge zu schaffen und andererseits andere einzubinden. Denn die Schüler/innen kennen ihre Bedürfnisse am besten und lernen, sich selbst zu helfen.

Der Zeitrahmen für die Fotoproduktion ist flexibel. Mit Methoden wie „Spaßcomics“ oder Apps zur Kurzfilmerstellung von iMovie kann man sehr schön binnendifferenziert arbeiten und zugleich den kreativen Umgang mit Medien in Teamarbeit vermitteln. Schüler/innen mit komplexen Behinderungen profitieren davon, ihre Fotos unmittelbar auf dem iPad in der entsprechenden Bildschirmgröße anschauen zu können. Ein iPad-Halter des Herstellers "Adam Hall", auf ein Mikrofonstativ aufgeschraubt, kann dabei u. U. sehr hilfreich sein.

Auswertung im Unterricht

Zu Beginn und zum Abschluss jeden Projekttages steht jeweils eine Feedback-Runde im Sitzkreis. Die Rückmeldungen sind wichtig, um die folgenden Lernsituationen an die Bedürfnisse der Schüler/innen anzupassen, wie z. B. Zeitrahmen vergrößern, Gruppenzusammensetzung ändern, technische Fragen lösen, sich immer wieder die eigene und die Klassenstärke bewusst machen. Die Feedbackrunden sind aber auch ein zentrales Element, um stets eine positive Gruppenatmosphäre zu erzeugen und spürbar zu machen.