Nierenkranke Kinder produzieren Trickfilme in der Dialyse

Nierenkranke Kinder müssen in der Dialyse vieles erdulden. Ihnen werden große Nadeln in ihre Arme gestochen, und ein Gewirr aus Schläuchen transportiert unter nervtötenden Pumpgeräuschen ihr Blut in eine Maschine, um es zu reinigen. Aber das Schlimmste ist, dass sich die ganze Prozedur über viele Stunden hinzieht und jede Woche wiederholt werden muss. In dieser Zeit können die Kinder weder zur Schule gehen noch draußen mit ihren Freunden spielen. Die Firma AniManiacs aus Köln hatte daher eine tolle Idee. Sie produzieren mit den Kindern eine eigene TV-Sendung, direkt aus dem Krankenhaus! Für diese Idee wurden sie beim medienpädagogischen Wettbewerb "konzept m+b" ausgezeichnet und bekamen Unterstützung durch den Medienpädagogen Steffen Griesinger von medien+bildung.com. Der Wettbewerb wird alle zwei Jahre ausgelobt und fördert herausragende Projektideen zur Medienbildung von Kindern und Jugendlichen. 

Draußen an der Glastür steht ein großes Schild. Die Besucher der Kinderdialyse werden aufgefordert, ihre Hände zu waschen und sich an die Hygienevorschriften zu halten, wenn sie den sensiblen Bereich des KFH-Nierenzentrums am Kölner Universitätsklinikum betreten. Innen sieht es ein bisschen aus wie in einem Science-Fiction-Film. Kinder sitzen auf Liegen und sind an komplizierte Apparaturen angeschlossen, die ihnen das Blut aus dem Körper pumpen. Überall blinken Computermonitore, akustische Warnsignale kratzen an den Nerven und eine Schar aus medizinischem Pflegepersonal wechselt andauernd von einem Kind zum anderen, um die Schlauchleitungen und Vitalwerte zu kontrollieren. In all dem eifrigen Treiben steht ein Medienpädagoge und erklärt, wie Trickfilme gemacht werden. Er reicht Daumenkinos herum und zeigt dem vierjährigen Elias, wie aus lauter Einzelbildern eine Bewegung im Film entsteht. Nicht alle Kinder interessieren sich für das, was der Mann aus Ludwigshafen mitgebracht hat. Ein älterer Jugendlicher möchte lieber schlafen und dreht sich mit seinem iPod zur Seite. Doch die anderen Patienten/innen sind mit Feuereifer dabei. 

Vor allem als die Trickbox des KIKA-Kinderkanals aufgebaut wird, steigt die Spannung. „Das ist ja wie ein kleines Theater“, kommentiert der 16-jährige Donovan. Als einer der Ältesten in der Runde wird er später die Arbeit am Laptop übernehmen. Nachdem alles aufgebaut ist und zwischen den Schläuchen und Gerätschaften der Dialysemaschinen die Kabel für das Licht und die Kamera verlegt sind, bekommt jedes Kind eine Aufgabe. Tobi schafft es mit etwas Mühe, die Trickbox von seiner Liege aus zu erreichen. Ein Pfleger hilft mit den Schläuchen, denn der 12-Jährige hat einen zentralen Venenkatheter, der direkt in eines der Hauptgefäße vor dem Herzen führt und bei Bewegungen Schmerzen verursachen kann. Vorsichtig schiebt Tobi das Logo von nephro.tv immer wieder ein kleines Stück ins Bild. Dann wird ein Foto gemacht und er kann das Logo ein weiteres Stück bewegen. Die 10-jährige Jana macht die Regie und passt auf, dass Tobi seine Finger nicht im Bild hat, während Donovan von seiner Liege aus die Kamera mittels der Fernsteuerfunktion des Laptops bedient. Die kleine Laiba filmt das Ganze für einen späteren Bericht bei nephro.tv. Außerdem schneidet sie noch Buchstaben aus Tonpapier aus, die anschließend als sogenannter Legetrick von den anderen Kindern animiert werden. 

Auf diese Weise produzieren die Kinder an diesem Tag vier animierte Logos, die in Zukunft im Vor- und Abspann der nephro.tv-Sendungen zu sehen sein werden. Pro Logo müsse ca. 90 Bilder gemacht werden, damit später eine „ruckelfreie“ Filmsequenz von drei bis vier Sekunden entsteht. Eine ganz schön anstrengende Geduldsaufgabe! Aber die jungen Filmemacher/innen sind mit großer Sorgfalt und Begeisterung dabei. „Noch nie habe ich es erlebt, dass Kinder so konzentriert und exakt arbeiten“, schwärmt Steffen Griesinger. Der Medienpädagoge von medien+bildung.com ist extra für diesen Tag angereist und hat die Technik aus Ludwigshafen mitgebracht. Auch Michael Fischenich und  Johanna Paffenholz von der Multimedialen Produktionsgesellschaft „AniManiacs“ mbH sind von der Arbeit der Kinder begeistert. 

Eine eigene Trickbox hat das Kölner Unternehmen, welches auch mit Kindern der Kinderkrebsstation Fernsehen macht, noch nicht. Der Projekttag, den nephro.tv beim Wettbewerb „konzept m+b“ gewonnen hat, bot daher die Chance, diese Technik im Krankenhaus zu testen. Der Versuch war erfolgreich. Denn auch, wenn es für alle Beteiligten am Anfang nicht ganz einfach war herauszufinden, wie die Liegen am besten eingestellt und die Kabel verlegt werden sollen, um die Abläufe der Dialysestation möglichst wenig zu stören, so hat sich der Aufwand doch gelohnt! Für die Kinder verging der Tag an der Dialyse wie im Flug und ganz nebenbei haben sie auch noch einiges über Medien gelernt. 

Info: Das Fernsehprogramm von nephro.tv wird durch Spenden finanziert und ist über die Internetseite www.nephro.tv zu sehen. Auf der Seite kann auch für die Arbeit der AniManicas am Kölner Universitätsklinikum  gespendet werden.