gamePLAYtheater

Von: Hans-Uwe Daumann

Jugendliche entwickelten im Pfalztheater Kaiserslautern eine Verknüpfung von computeranimierten Filmen mit einer Theateraufführung.

Das Pfalztheater Kaiserslautern bot in Kooperation mit medien+bildung.com vom 17. bis 20. März 2008 den Ferien-Workshop „gamePLAYtheater“ an. Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren konnten darin eine Verbindung zwischen Computerspielen und Theater herstellen: sie schufen sich eine eigene virtuelle Welt, in der sie später agierten. Das Ergebnis des Projekts „gamePLAYtheater“ wurde am 30.03. im Pfalztheater präsentiert.

Ziel des Projekts war eine Verknüpfung von computeranimierten Filmen mit einer Theateraufführung: Die jugendlichen Projektteilnehmer/-innen haben eine virtuelle Kulisse erschaffen, in der sie später als Schauspieler agieren konnten. Sie produzierten mithilfe eines Computerspiels Trickfilme (sog. „Machinimas“), die mit dem Geschehen auf der Bühne verknüpft wurden, so dass als Ergebnis eine real-virtuelle Theatervorstellung stand.

Aus medienpädagogischer Sicht war an diesem Projekt der Einsatz des Mediums „Computerspiel“ als Kreativwerkzeug interessant. Schließlich befinden sich die Spiele in einer paradoxen Situation: Unter Jugendlichen sind sie ein sehr beliebter Zeitvertreib, unter Erwachsenen genießen sie hingegen einen äußerst schlechten Ruf, gelten als verdummend und aggressionsfördernd. Mit unserem Projekt bot sich die Chance, das kreative Potential von Computerspielen zu nutzen und die Ergebnisse mit der klassischen Hochkultur „Theater“ zu verschmelzen. Beiden Disziplinen, den Games und dem Theater, ist schließlich das Element des Spielens zu Eigen, weshalb das Wort „play“ auch einen zentralen Platz im Projektnamen einnimmt.

Für den Workshop haben wir ein Spiel ausgewählt, das sich zur Produktion von Animationsfilmen eignet. Das Programm „The Movies“ (Activision) ist eine Wirtschaftssimulation, in der der Spieler ein Filmstudio leitet, es bietet jedoch auch einen sog. „Sandkasten-Modus“, in dem man direkt zur Filmproduktion übergehen kann. Hier lassen sich eigene Avatare kreieren, was den Jugendlichen die Möglichkeit bot, sich selbst als virtuelle Figuren zu erschaffen. Mit diesen Figuren wurden anschließend Animationsfilme erstellt und von den Jugendlichen nachvertont. Diese Produktionen wurden später mit den Theaterszenen verknüpft, die die Jugendlichen im theaterpädagogischen Teil des Workshops erarbeitet haben.

Als Projektergebnis entstand ein Theaterstück unter dem Titel „Traumparty“. Der Inhalt: Auf der Geburtstagsparty von Alice steht plötzlich ihr Bruder Tim im Mittelpunkt, der die Partygäste mit seinem neuen Computerspiel beeindruckt. Alice lässt sich jedoch nicht kampflos die Show stehlen: Sie verabreicht Tim ein Schlafmittel, das ihn ins Reich der Träume schickt – dort trifft er auf die Kreaturen aus seinem Game…
Die Computerfilme wurden dabei zur Einführung der Figuren in die Handlung benutzt, bevor die Schauspieler auf der Bühne erschienen. Später dienten die Animationen zur Präsentation der Computerspiel-Welt und zum Übergang Tims von der realen in die Traumwelt. Am Ende der Vorstellung wurde ein Abspann gezeigt, der die Schauspieler mittels der Videotechnik „BlueScreen“ zu ihren virtuellen Abbildern gesellte.

Die Präsentation des Projekts fand am Sonntag, 30. März 2008 vor mehr als 100 Zuschauern in der Werkstattbühne des Pfalztheaters Kaiserslautern statt. Geleitet wurde das Projekt von Björn Friedrich (Medienpädagoge bei medien+bildung.com) und Tobias Brutscher (Theaterpädagoge am Pfalztheater). Eine Fortsetzung fand das "gamePLAYtheater" bei dem Workshop "Das Theater-Game" in den Herbstferien 2009. 
 

Impressionen aus dem Projekt finden Sie in dieser Online-Fotogalerie sowie in den folgenden Videos:

Zusammenschnitt der Aufführung