Jugendschutzwoche in Ramstein

Von: Karen Schönherr und Dirk Herting

Jugendliche testen ihr Onlinesuchtpotential, übersetzen WhatsApp-Smileys und hinterfragen die Relevanz ihrer Apps.

Das Jugendbüro in Ramstein-Miesenbach organisiert seit 5 Jahren die Jugendschutzwoche. Verschiedene Referenten bieten Aktionen und Informationen zu den Themen Drogen- und Gewaltprävention, Rechtextremismus, Liebe und Sexualität sowie Medien. Die Schülerinnen und Schüler aus Ramstein kommen aus der Schule ins Haus des Bürgers und erleben dort Jugendschutz ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit Spaß und Themen, die sie interessieren und selbst wählen können. medien+bildung.com lockte in diesem Jahr (31.3. bis 3.4.2014) mit drei Aktionen unter dem Motto: „Always on – Kein Leben ohne Handy?“.

Das Team bestehend aus den Medienpädagoginnen Karen Schönherr und Christine Zinn, der FSJlerin Jessika Losing, Honorarkraft Lara Kahl und Praktikant Dirk Herting stand in unterschiedlicher Besetzung an den 4 Tagen mit Rat und Plakat zur Verfügung.

Eine Aktion war der EmotiContest. Da Emoticons inzwischen von Smileys und ganzen Minibildern z.B. bei WhatsApp abgelöst wurden, war es Aufgabe der Jugendlichen ausgesuchte Emoticons zu „übersetzen“. Klar wurde: nicht jeder Smiley hat eine eindeutige Bedeutung. Sie ist kontext- und personenabhängig.
 
Eine Umfrage zur Smartphonenutzung brachte die Schüler/innen teilweise schwer ins Grübeln: welche Funktion ist für sie DIE Wichtigste und auf welche können sie verzichten. Zur Auswahl standen sieben Funktionen: Telefonieren, Messenger, Facebook, Spiele, Foto-/Videofunktion, Musik und der Browser. Sowohl bei Mädchen (70%) als auch bei Jungen (49%) stellt der Messenger die mit Abstand wichtigste Applikation auf dem Handy dar – am meisten genutzt wurde Whatsapp. Bei den Jungen gibt es noch einen nennenswerten zweiten Platz: gut ein Viertel (26%) der Jungen, die abgestimmt haben, finden die Telefonfunktion am wichtigsten. Das weibliche Geschlecht erachtet weit nach dem Messenger das Abspielen von Musik (14%) als wichtige Funktion auf Smartphones, die bei den jungen Herren (10%) auf Platz 3 steht. Verzichtbar sind für die Hälfte der Mädchen Spiele (51%) und für ein Drittel Facebook (34%); beim anderen Geschlecht Facebook (47%) und Spiele (22%) – in dieser Reihenfolge. Die hohe Verzichtbarkeit der Facebook-App ist mit zwei Aspekten zu begründen. Viele Jugendliche sagten im Gespräch, sie hätten gar keinen Account. Andere argumentierten, dass sie von den sieben Funktionen Facebook ausgewählt haben, weil sie es ja noch am Computer nutzen könnten. Ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die mobile Kommunikation Jugendlicher von Facebook zu Whatsapp hin verlagert hat.

Das Entstehen der Umfrage haben wir mit der App "Lego Movie Maker" verfilmt. Hier gehts zum Film!
 
Auf große Resonanz stieß auch der Selbsttest zu Online-/Internetsucht [https://www.ins-netz-gehen.de/check-dich-selbst/bin-ich-suechtig].Die Jugendlichen haben ihn selbständig am Laptop durchgeführt und bekamen eine Einschätzung ob ihr Verhalten okay, gefährdend oder alarmierend ist. Die meisten empfanden diese Ergebnisse als angemessen. Nur in einzelnen Fällen stellte das Programm einen Überkonsum von Internet oder Spielen fest. Im Anschluss an den Test gab es viel Gesprächsbedarf. Unter Anleitung der Medienpädagog/innen diskutierten die Schüler/innen wann Sucht eigentlich beginnt, was man dagegen tun kann oder wie man Freunden/Bekannten helfen kann.